Kinder in Talitha Kumi, Foto: Berliner Missionswerk

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Ägypten: „Viele verstehen die Krankheit nicht“

„Leider hört man in Bezug auf die Corona-Pandemie sehr wenig aus Ägypten" schreibt uns Prof. Tharwat Kades, Ökumenedezernent unserer ägyptischen Partnerkirche, "dabei ist die Lage schlimm. Es gibt zahlreiche Erkrankte und viele Tote. Die medizinische Versorgung ist unzureichend. Gerade jetzt im Ramadan verschlimmert sich die Situation, weil die Menschen zusammenkommen, um das Fasten zu brechen und um zu beten. Der Großimam der Al-Azhar in Kairo hat die Muslime aufgerufen, zuhause zu bleiben und für sich zu beten.“

„Aber die Menschen sind es gewohnt, zusammen zu feiern“, so Prof. Kades weiter. „Viele verstehen die Krankheit nicht. Und das gilt leider ebenso für die Christen in Ägypten. Auch sie kommen zusammen und feiern Gottesdienst. Jetzt haben wir wieder einen Fall eines Pastors, der sich angesteckt hat, weil er ohne jeden Schutz Corona-Kranke besucht hat.“

„Das größte Problem ist das Sozial- und Wirtschaftssystem. Viele Menschen erhalten einen Tageslohn. Sie können also nicht zuhause bleiben, weil sie dann kein Gehalt gezahlt bekommen und dann auch keine Lebensmittel kaufen können. Deshalb strömen tagtäglich die Menschenmassen auf die Straßen. Auch in der Nilsynode haben wir dieses Problem: auch bei uns ist es üblich, dass man nur bezahlt wird, wenn man auch am Arbeitsplatz erscheint. Und in Ägypten gibt es bei weitem nicht die Möglichkeiten z.B. für Home Office, wie diese etwa in Deutschland existieren. Natürlich ist es naiv zu glauben, Gott schütze vor dem Virus. Aber Gott hilft, wieder gesund zu werden. Wir erleben das immer wieder. Manchmal ist das wie ein Wunder.“

(zusammenfassende schriftliche Fassung: Pfr. Jens Nieper, Nahostreferent des Berliner Missionswerkes)


Die ägyptische Hauptstadt kairo. Im Hintergrund...

Die ägyptische Hauptstadt kairo. Im Hintergrund die Pyramiden von Gizeh.

Die ägyptische Hauptstadt kairo. Im Hintergrund...

Prof. Tharwat Kades bei einem früheren Besuch im Berliner Missionswerk.

 

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