Kinder in Talitha Kumi, Foto: Berliner Missionswerk

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Ägypten: Pastoren besonders gefährdet

„In Deutschland hört man wenig über die Corona-Pandemie aus Ägypten“, bedauert Prof. Tharwat Kades, Ökumenedezernent der ägyptischen Nilsynode, „dabei ist die Lage schlimm“. Jüngst hat er Nahostreferent Jens Nieper im Berliner Missionswerk besucht – und ihm die besonders schwierige Situation in seiner Heimat ausführlich beschrieben.

„Es gibt zahlreiche Erkrankte und viele Tote. Die medizinische Versorgung ist unzureichend. In Ägypten kommen zwei Probleme zusammen: zum einen verstehen viele Menschen nicht, was Covid-19 ist, wie diese Seuche wirkt und wie man sich vor ihr schützen kann. Zum anderen lassen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen vielerorts kaum wirklichen Schutz zu. Viele Menschen leben in Ballungsräumen. Und viele Menschen ernähren ihre Familien als Tagelöhner. Sie können also nicht zuhause bleiben, weil sie dann kein Geld bekommen und keine Lebensmittel kaufen können. Deshalb strömen tagtäglich Menschenmassen auf die Straßen. Auch in der Nilsynode haben wir dieses Problem: Auch bei uns ist es üblich, dass man nur bezahlt wird, wenn man auch am Arbeitsplatz erscheint. Und in Ägypten gibt es bei weitem nicht die Möglichkeiten, z.B. für Home Office, wie diese etwa in Deutschland existieren.

Auch zu Gottesdiensten kommen die Menschen trotz Warnungen immer wieder zusammen. Religionsausübung gehört für Menschen im Nahen Osten einfach viel stärker zu Identität und zum selbstverständlichen Alltag als beispielsweise in Deutschland. Mehr und mehr Pastoren der Nilsynode erkranken nun. Denn sie suchen die Kranken auf. Bei der Seelsorge kommen sie den Menschen nah – und stecken sich an. Seelsorge per Telefon oder über das Internet ist nicht denkbar. Aber so werden die Pastoren zu Überträgern der Krankheit. Inzwischen wird das Krankenhaus, das die Nilsynode im Herzen Kairos betreibt (Cairo Evangelical Medical Center), umgebaut. Die beiden obersten Stockwerke werden zu einer Quarantäne-Station: nur für Pastoren und ihre Familienangehörigen. Viele ÄgypterInnen aber scheuen – angesichts immenser Kosten – vor einer medizinischen Behandlung zurück. Natürlich ist es naiv zu glauben, Gott schütze vor dem Virus. Aber Gott hilft, wieder gesund zu werden. Wir erleben das immer wieder. Manchmal ist das wie ein Wunder.“

(Schriftliche Zusammenfassung: Pfr. Jens Nieper)


Prof. Tharwat Kades, Ökumenedezernent der...

Prof. Tharwat Kades, Ökumenedezernent der Nilsynode, Partnerkirche des Berliner Missionswerkes in Ägypten. Hier mit mit Nahostreferent Jens Nieper.

 

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