Kinder in Talitha Kumi, Foto: Berliner Missionswerk

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Tansania: Gerüchte über Todesursache des Präsidenten

Am Mittwochabend wurde der Tod des tansanischen Präsidenten John Magufuli bekannt gegeben. Er war seit Wochen „verschwunden", was Spekulationen nährte, dass er sich mit Covid-19 angesteckt habe und in einem Krankenhaus im Ausland weile. Magufuli gehörte zu den Corona-Leugnern; in Tansania war es daher bis vor kurzem verboten, über die Pandemie überhaupt zu sprechen. Dr. Frederik Shoo, leitender Bischof der tansanischen Partnerkirche, der noch vor kurzem die Haltung des Präsidenten kritisiert hatte, drückte einen Tag nach seinem Tod der Familie sein Beileid aus und rief seine Landsleute zum Gebet auf.

An Kommentaren mangelt es nach Magufuli Tod nicht: Hatte er doch als Staatsoberhaupt die Gefahr der Pandemie stets heruntergespielt und seinen Landesleuten statt hygienischer Maßnahmen einheimische Kräuter und Gebete empfohlen. Dann aber ließ er seine Landsleute zurück – und genoss fern von daheim die sogenannte westliche, von ihm verhasste Medizin. Magufuli starb offiziell an einem Herzversagen in einem Krankenhaus in Dar Es Salaam. Vizepräsidentin Sahala aus Sansibar übernimmt nun das höchste Amt im Land bis zur nächsten Wahl im Jahr 2025. Im vergangenen Oktober erst hatte Magufuli die Präsidentenwahl zum zweiten Mal unter umstrittenen Umständen gewonnen.



Die lutherische Kirche in Tansania hatte ebenso wie die katholische Kirche im Land Ende Januar einen Hirtenbrief veröffentlicht, in dem sie die Corona-Politik der Regierung anprangerte. Darin hieß sie zwar das Beten gut, warnte aber zugleich deutlich davor, Gott durch das Ablehnen jeglicher Vorsichtsmaßnahmen nicht in Versuchung zu führen. „Dadurch trugen die beiden großen „Mainline Churches“ erheblich dazu bei, dass bei stark steigenden Fallzahlen Bewegung in die erstarrte Gesundheitsvorsorge Tansanias kam“, so Afrika-Referent Dr. Martin Frank. Die lutherische Kirche in Tansania (ELCT) ist eine Partnerkirche der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und des Berliner Missionswerkes und hat rund sieben Millionen Mitglieder.



Präsident John Magufuli herrschte sehr umstritten. Einerseits schaffte er es, Korruption erfolgreich zu bekämpfen, Großprojekte voranzutreiben und den Staatsapparat zu entschlacken. Andererseits erwarb er sich binnen kurzer Zeit den Ruf eines Machers, eines „Bulldozers", wie er in Tansania genannt wurde. Er verbat sich jegliche Kritik an seinem Führungsstil, sperrte Oppositionspolitiker ein, behinderte großflächig mit seiner Partei die Wahlen, zensierte die Medien, demütigte Andersdenkende.
Und: Magufuli verbot seit fast einem Jahr jegliche Statistiken zu den Corona-Fällen im Land. Der Journalist Mohammed Khelef schreibt: „Er nutzte und benutzte die Verfassung, um seine Ziele zu erreichen, auch wenn er dadurch Leben und Lebensgrundlagen bedrohte. Es braucht keinen Juristen, um zu bestätigen, dass er innerhalb weniger Jahre das Amt des Präsidenten derart veränderte, dass es eher an eine Monarchie erinnerte."



Präsident John Magufuli, 1959-2021. (Foto: CC...

Präsident John Magufuli, 1959-2021. (Foto: CC BY-ND2.0_GovernmentZA/GCIS

 

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