Kurze Zeit bevor bereits hatte der Lutherische Weltbund in einem Hirtenbrief die „tiefe Sorge“ der Kirchengemeinschaft aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Äthiopien zum Ausdruck gebracht und sich „solidarisch mit unseren Schwestern und Brüdern“ und allen Menschen gezeigt, die sich nach Frieden sehnen. Das Berliner Missionswerk schließt sich dieser Sorge und dieser Solidarität ausdrücklich an.
In der Stellungnahme des Berliner Missionswerkes heißt es:
„Der Krieg im Norden Äthiopiens in der Region Tigray begann nun schon vor mehr als einem Jahr. Ohnmächtig verfolgen wir über die Medien und durch Kontakte nach Äthiopien, wie die Kriegshandlungen immer mehr eskaliert werden. Die äthiopische Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen und alle Bürger:innen aufgefordert, zu den Waffen zu greifen.
Wir hören von willkürlichen Verhaftungen in Addis und vielen Städten Äthiopiens, die vor allem Menschen aus einer ethnischen Gruppe treffen. Selbst Mitarbeiterinnen und Mitar-beiter der Kirchen, der Vereinten Nationen oder zivilgesellschaftlicher Organisationen sind davon betroffen. Das Leiden der Zivilbevölkerung, vor allem von Frauen und Mädchen, ist unvorstellbar. Der Krieg wurde von Beginn an mit einer unbeschreiblichen Brutalität geführt. Die UN Menschenrechtskommission hat in ihrem am 3. November 2021 vorgestellten Bericht festgestellt, dass Massaker an der Zivilbevölkerung, Kriegsverbrechen und Massen-vergewaltigungen begangen wurden. Sie hat zugleich erklärt, dass dies nur einen Bruchteil der Vorfälle erfasst, und in Konsequenz daraus eine gerichtliche Untersuchung aller Fälle gefordert. Der Krieg wurde durch eine noch nicht dagewesene Hasskampagne in den sozialen Medien vorbereitet und begleitet. Zusätzlich wurde eine Kommunikationsblockade verhängt. Journalisten wurden und werden bis heute nicht in die Kriegsgebiete gelassen. Das Internet bleibt abgeschaltet.
Konvoys der Vereinten Nationen mit humanitärer Hilfe kommen nicht zu den Menschen durch. Hunger wird als Waffe eingesetzt. In Tigray, aber auch in anderen Landesteilen zeichnet sich eine schwere Hungersnot ab, vor der die Weltgemeinschaft seit Monaten warnt. Über fünf Millionen Menschen benötigen dringend Nahrungsmittelhilfen, die ihnen durch die Blockaden verweigert werden.
Wir verfolgen mit Dank und Hoffnung die Bemühungen der Afrikanischen Union und afrikanischer Staatsoberhäupter, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union, in dem Konflikt zu vermitteln und einen Verhandlungsprozess anzustoßen. Wir danken der Bundesregierung für ihre tatkräftige Unterstützung internationaler Vermittlungsbemühungen.“