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Kirche von England

Partnerschaft jetzt besonders wichtig

Kirchliche Partnerschaften in Europa – wichtig wie nie! Diese Überzeugung äußern viele Menschen in England und in Deutschland. Nach Brexit und Überfall auf die Ukraine ist die Sehnsucht nach bleibenden Freundschaften groß.

Die kirchlichen Partnerschaften in Europa halten an ihrem Verständnis von Zusammenhalt, Frieden und anderen gemeinsamen christlichen Werten fest. Ökumenische Beziehungen erweisen sich gerade in Krisenzeiten als besonders wichtig, wie besonders an den Partnerschaften der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) nach England gut zu sehen ist.

„Wir stehen mit unseren Partnern fest zusammen, gegen Krieg, gegen Hass und menschenverachtende Gewalt. Und wir lassen uns unsere Vision von einem friedlichen Miteinander mit unseren europäischen Nachbarn nicht kaputt machen“, betonte etwa Bischof Dr. Christian Stäblein bei seinem Besuch in London im Frühjahr 2022.   
Die vertragliche Partnerschaft zwischen der Diözese London der Kirche von England und der (damals noch) Evangelischen Kirche-Berlin-Brandenburg besteht seit 1999 und ist auf die EKBO übergegangen. Der Vertrag erkennt auf Basis der Erklärung von Meißen die Ämter gegenseitig an und verpflichtet die beiden Kirchen, so viel wie möglich gemeinsam wahrzunehmen: „… Berlin und London kommt als Hauptstädten in der Europäischen Union eine besondere Bedeutung zu. Die damit verbundenen Aufgaben und Chancen für die Kirchen können wir an vielen Stellen gemeinsam wahrnehmen.“ Auch wenn London nun nicht mehr Teil der Europäischen Union ist, so bleiben die Verabredungen bestehen, die sich aus der Vereinbarung ergeben.

In besonderer Weise verpflichtet

Oft sind die Gäste bei Partnerschaftsbesuchen eingeladen, in den dortigen Gemeinden zu predigen. Bei der Reise nach London predigte Bischof Dr. Christian Stäblein in der Christ Church auf der Isle of Dogs. Diese Gemeinde pflegt eine seit langem bestehende Partnerschaft zur Gemeinde am Weinberg im Berliner Kirchenkreis Stadtmitte. In seiner Predigt richtete Bischof Stäblein eindringliche Worte an die Gemeinde: „Ich empfinde es als großes Zeichen, dass ich heute hier predigen darf. Als Deutscher stehe ich in der Verantwortung eines Volkes, das den schrecklichsten, grausamsten, inhumansten und gottlosesten Krieg über Europa gebracht hat. Dass wir mit dem Frieden und der Befreiung 1945 als Völker zueinander gefunden haben … und dass an dieser Freundschaft auch ein Brexit so ganz und gar nichts ändern kann, ja diese Freundschaft nur am Rande berührt, das macht mich zutiefst dankbar. Wir haben auf allerschrecklichste Weise gelernt, was Krieg ist, wir stehen in der von Coventry begründeten Nagelkreuzgemeinschaft gemeinsam für die tiefe Sehnsucht nach Frieden. Wir sind dieser Tradition in diesen Tagen in besonderer Weise verpflichtet.“

Dietrich Bonhoeffer und George Bell

Auch die partnerschaftliche Verbindung nach Chichester hat ihre Wurzeln in den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. In der Tradition der Freundschaft zwischen Dietrich Bonhoeffer  und George Bell , Bischof von Chichester, treffen sich alle zwei Jahre Delegierte aus dem Ev.-Luth. Kirchenkreis Bayreuth, der röm.-kath. Erzdiözese Bamberg, der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Diözese Chichester der Kirche von England. In den Konferenzen werden Themen wie „Herausforderungen durch Populismus“ oder „Die Mission der Kirche nach der Pandemie“ verhandelt. Als „Feuersteinkonferenz“ der nachfolgenden Generation kommen junge Theologinnen und Theologen im gleichen Geist zusammen.

Die Freundschaft zwischen George Bell und Dietrich Bonhoeffer war während des Zweiten Weltkrieges zu einer sicheren Verbindung zwischen zwei Kirchen, zwei Ländern und zwei Gleichgesinnten geworden. Beide arbeiteten an ihren Stellen mehr oder weniger offen an einer Perspektive für ein Ende des Krieges und behielten die Interessen der jeweils Anderen – offiziell Feinde – im Blick. Ökumenische Verbundenheit erwies sich als tragfähiger Weg, um Kontakte außerhalb und neben offiziellen Kommunikationskanälen offen zu halten und zu pflegen. Lebenswichtig gerade in Krisenzeiten, wie im derzeitigen Krieg zwischen Russland und der Ukraine aktuell deutlich wird.

Eine weitere überregionale Partnerschaft auf dem Gebiet der EKBO wird zwischen dem Kirchenbezirk Markgräflerland (Baden-Württemberg), dem Kirchenkreis Zossen-Fläming und der Diözese Canterbury gepflegt. Bewusst als Dreieckspartnerschaft mit dem doppelten Blick aus Deutschland (aus Westen und Osten) angelegt, besuchen sich die Gruppen gegenseitig und treffen einander in ihrem jeweiligen Lebenskontext.

Begegnung bleibt unersetzbar

Alle diese Partnerschaften leben von Begegnungen. Die alle zwei Jahre stattfindende London-Berlin-Konferenz musste 2020 digital abgehalten werden. „Diese Möglichkeiten des digitalen Miteinanders werden die Partnerschaften zusätzlich stärken, aber die persönliche Begegnung bleibt maßgeblich“, betont Barbara Deml, landeskirchliche Pfarrerin für Ökumene und Weltmission. „Gehört doch die Erfahrung der anderen Lebenssituation, der anderen sprachlichen Umgebung und nicht zuletzt auch das gemeinsame Essen unmittelbar zum partnerschaftlichen Austausch. Einander an einem anderen Ort wahrnehmen, eröffnet neue Dimensionen für die Anderen und für sich selbst.“

Die Partnerschaft zwischen der Diözese London und Berlin basiert auf Gemeindepartnerschaften, gegenseitigen Besuchen, Konferenzen und dem Austausch von Personal wie beispielsweise im Rahmen eines Auslandsvikariates oder des Ökumenischen Freiwilligenprogrammes. Stellvertretend wahrgenommen wird diese Partnerschaft vom Sprengel Berlin für die ganze Landeskirche und von einem Beirat koordiniert.

Partnerschaft angesichts des Brexits: Stimmen aus Berlin und London: In WeltBlick 2/2019 >>

 

 

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