Evangelische Stadtpfarrkirche in Hermannstadt (Sibiu)

Evangelische Kirche A. B. in Rumänien

In der Diaspora

Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien hat sich in wenigen Jahren von einer Volkskirche zu einer „Diasporakirche" gewandelt: Nach 1990 waren zwei Drittel der evangelischen Gemeindeglieder nach Deutschland ausgewandert. Das bringt Herausforderungen mit sich.

Die Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien und der EKBO  wurde anlässlich des rumänischen Kirchentages zum Reformationsjubiläum am 1. Oktober 2017 feierlich in einem Vertrag festgehalten und unterzeichnet.

Darin wird auf die gemeinsamen bewährten Glaubenserfahrungen insbesondere im 20. Jahrhundert verwiesen und eine sich wechselseitig befruchtende Zusammenarbeit auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens angestrebt. Um die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen, ist in beiden Ländern je ein Arbeitskreis ins Leben gerufen worden, der die verschiedenen, vielfältig gewachsenen Initiativen und Gemeindebeziehungen unter Einbeziehung von entsprechenden Fachgremien miteinander vernetzt. Dabei geht es immer auch um eine gut erkennbare missionarische Präsenz kirchlichen Handelns in den dynamisch sich wandelnden Gesellschaften.

Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien hat rund 15.000 Mitglieder in 250 Kirchengemeinden, die von ca. 34 Pfarrer:innen geleitet werden.

Kirchenburgen prägen die Landschaft

Die Geschichte der „Kirche der Siebenbürger Sachsen“ reicht mehr als 850 Jahre zurück. Bereits im zwölften Jahrhundert ließen sich Siedler aus der Rhein- und Moselgegend in Siebenbürgen nieder. Gerufen zur Verteidigung der Grenzen und zur Erschließung des Landes, gründeten sie Dörfer und bauten Städte. Die Gotteshäuser waren zugleich Zufluchtsort und wurden deshalb immer mehr zu jenen Kirchenburgen ausgebaut, die heute ein charakteristisches Merkmal der siebenbürgischen Landschaft sind.

In ihrem Kernsiedlungsgebiet, dem „Königsboden", konnten die Siebenbürger Sachsen wertvolle Privilegien genießen und sich in weitgehender Autonomie selbst verwalten. Zwischen 1542 und 1550 fand die lutherische Reformation in Siebenbürgen statt. 1550 wurde die lutherische Kirche offiziell anerkannt. Die Verkündigungssprache ist seit der Reformation Deutsch (bzw. Mundart).

Bis zum Ersten Weltkrieg unterstanden alle deutschsprachigen evangelischen Gemeinden im heutigen Rumänien, darunter auch in der Hauptstadt Bukarest, der preußischen kirchlichen Administration. Erst in den 1920er Jahren hat sich diese lutherische Diaspora in den Verband der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien (EKR) integriert.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wanderten im Jahr 1990 zwei Drittel der evangelischen Gemeindeglieder nach Deutschland aus. In den darauffolgenden Jahren dauerte dieser Prozess an, so dass inzwischen weniger als 15 Prozent der vor 1990 in Siebenbürgen lebenden Evangelischen weiterhin Mitglieder der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien sind.

In jüngerer Vergangenheit hatten sich zunächst unter Bischof Dr. Wolfgang Huber und dann unter Bischof Dr. Markus Dröge regelmäßige und intensive Kontakte etabliert. Verschiedene Kirchenpartnerschaften auf Gemeindeebene, Unterstützung im Bereich der Flüchtlingsarbeit und nicht zuletzt der in Berlin ansässige Förderverein der landeskirchlichen Stiftung Kirchenburgen haben in den letzten Jahren zu einem engerem Austausch zwischen EKBO und EKR beigetragen.

Die EKR ist heute eine evangelisch-lutherische konfessionelle und sprachliche Minderheitskirche mit etwa 13.000 Mitgliedern. Sie umfasst vornehmlich deutsch-sprachige evangelische Christen in Siebenbürgen und in Bukarest. Bischofssitz ist Sibiu/Hermannstadt; Verkündigungssprache ist deutsch.

In Siebenbürgen daheim: Evangelisch-Sein in Rumänien – eine Kirche im Aufbruch. In: WeltBlick 2/19 >>

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Ihr Ansprechpartner

Dr. Dr. Vladimir Kmec
Osteuropa-Referent

Tel 030 24344–153
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