Wie politisch darf, wie politisch muss Kirche sein?
Kirche und Politik, gesellschaftliche Polarisierung und die Frage nach dem eigenen kirchlichen Zeugnis: Darum geht es bei der diesjährigen London-Berlin-Konferenz vom 9. bis 12. Oktober in Berlin. Unter dem Titel „Church Witness in a divided world“ kommen Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Church of England zusammen. Das Berliner Missionswerk betreut die Partnerschaft der EKBO mit der Diözese London; Barbara Hustedt, Westeuropa-Referentin und stellvertretende Direktorin ist an der Vorbereitung und Durchführung der Begegnung beteiligt.
Die Delegation aus London wird von Archdeacon Luke Miller geleitet. Von Freitagabend bis Sonntagmittag stehen zunächst Begegnungen in den Gemeinde- und Kirchenpartnerschaften auf dem Programm. Anschließend beginnt das eigentliche Konferenzprogramm. Dabei geht es um die Frage, wie Kirche in einer zunehmend geteilten Gesellschaft glaubwürdig Zeugnis ablegen kann. Ein historischer Ort dafür ist das Martin-Niemöller-Haus in Dahlem. Dort setzt sich die Delegation mit den kirchlichen Konflikten vor 100 Jahren auseinander, als sich auch innerhalb der evangelischen Kirche die Lager der Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche gegenüberstanden.
Ein Beispiel für die aktuelle Auseinandersetzung bietet der Themengottesdienst am Sonntag, 11. Oktober, um 10 Uhr in der Kapelle der Versöhnung. „Kirche und Politik: Wo verläuft die Grenze?“ lautet die Frage. Die Predigt hält The Rt Revd Lusa Nsenga-Ngoy, Bishop of Willesden in der Diözese London. Mit dabei ist Generalsuperintendentin Prof. Julia Helmke. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo geistliche Verantwortung endet und politische Einmischung beginnt. Die Predigt wird auf Englisch gehalten, eine deutsche Übersetzung steht vor Ort zur Verfügung.
Auch die Partnerschaft zwischen den Kirchen selbst wird weiter vertieft. In Mariendorf wird ein Partnerschaftsvertrag zwischen der Gemeinde St. Giles without Cripplegate und der Kirchengemeinde Mariendorf unterzeichnet. Am Montagvormittag berichtet Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer über die Situation in Sachsen-Anhalt. Damit richtet sich der Blick auch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und auf die Frage, welche Rolle Kirche darin einnehmen kann.
Die London-Berlin-Konferenz findet alle zwei Jahre abwechselnd in Berlin und London statt. Grundlage der Partnerschaft ist der Meissen-Prozess. Mit der Meissener Erklärung von 1991 verpflichteten sich die Evangelische Kirche in Deutschland und die Church of England, sich gemeinsam auf den Weg zu voller, sichtbarer Kirchengemeinschaft zu machen. Die EKBO unterhält auf dieser Grundlage eine offizielle Partnerschaft mit der Diözese London, die durch den Sprengel Berlin wahrgenommen wird und vom Berliner Missionswerk betreut wird.
Themengottesdienst, Sonntag, 11. Oktober 2026, 10 Uhr, Kapelle der Versöhnung, Bernauer Straße 4, 10115 Berlin-Mitte. Predigt: The Rt Revd Lusa Nsenga-Ngoy, Bishop of Willesden, Diocese of London. Mitwirkende: Generalsuperintendentin Prof. Julia Helmke. Die Predigt wird auf Englisch gehalten, eine deutsche Übersetzung steht vor Ort zur Verfügung.
Weitere Gottesdienste und Begegnungen mit den Gästen aus London hier als Übersicht (PDF)