„Seid menschlich“: Combatants for Peace in Berlin

Elie Avidor und Sayel Jabareen sitzen an einem Tisch und berichten von ihren Erfahrungen

„Seid menschlich“: Combatants for Peace in Berlin

Die Combatants for Peace sind eine Friedensbewegung, die aus ehemaligen Mitgliedern der israelischen Armee und palästinensischen Kämpfern besteht. Seit zwanzig Jahren engagieren sie sich für einen für gewaltfreien Widerstand und einen Dialog zwischen israelischer und palästinensischer Bevölkerung. Im Rahmen ihrer Deutschland-Tour konnte das Berliner Missionswerk in Zusammenarbeit mit dem EAPPI Netzwerk Deutschland e. V. sie auch für einen Besuch in der Hauptstadt gewinnen. Am 12. Oktober um 18:30 Uhr sprachen der Israeli Elie Avidor und der Palästinenser Sayel Jabareen in Begleitung von Thomas Trischler über ihre Geschichte und Erfahrungen. 30 Zuschauende trafen sich im Knak-Saal, um dem beizuwohnen.

„Wenn ich hier in Deutschland bin, dann sehe ich Leute, die Freiheit haben, die normales Leben haben, denen es gut geht. Ich bin sehr neidisch.“ sagt Sayel Jabareen. „Es gibt keine Bewegungsfreiheit für Palästinenser im Westjordanland. Diese Checkpoints erschweren unser Leben sehr. Eine Fahrt, die früher 15 Minuten gedauert hat, kann heute 2 bis 3 Stunden dauern. Oder auch länger. Alles, was wir möchten, ist ein normales Leben“.

Sayels Aufenthalt ist jedoch überschattet. Am Freitag, als er sich aus Palästina auf den Weg nach Deutschland gemacht hat, rief seine Frau ihn weinend an: Siedler seien unten in ihrem Haus, bewaffnet und schießend. Der Taxifahrer sagte Sayel: „Ich bringe dich nicht zurück nach Hause. Wenn du zurück nach Hause gehst, dann erschießen dich die Siedler. Sag deiner Frau, dass sie alles abschließen und sich verstecken soll.“

„Aber ich muss kritisieren, was passiert.“

Elie Avidor erzählt im Plenum von seinem Engagement: „Ich gehe in die Westbank und versuche dort die Ungeheuerlichkeiten der Besatzungspolitik zu bekämpfen. Aber auf Basis von Gewaltfreiheit.“ Er verbringt viel Zeit mit palästinensischen Bauern und Schäfern, um sie vor Siedlergewalt zu beschützen. Dabei bezeichnet sich als stolzen Israeli, der dennoch das derzeitige Tun der israelischen Regierung entschieden ablehnt: „Ich möchte, dass Israel existiert und sicher ist. Aber ich muss kritisieren, was passiert.“

Der Terror der Hamas am 7. Oktober 2023 bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Aktivitäten der Combatants for Peace. Eine Auflösung stand bereits im Raum. Es gab deshalb ein gemeinsames Online-Meeting: „Wir sagten, wir unterhalten uns eine Stunde, aber dann haben wir gemeinsam drei Stunden lang geweint und uns ausgetauscht“. So kamen sie zu dem Schluss, gerade aufgrund der Geschehnisse weitermachen zu wollen. „Eines der Dinge, die die Combatants for Peace mitgeben ist, dass man von der Geschichte der anderen Seite erfahren kann. Furcht und Angst kommen von Ignoranz. Man hat Angst vor dem, was man nicht kennt“, so Elie.

Unterricht nur an zwei Tagen der Woche

Die Folgen des terroristischen Anschlags der Hamas hat die Lebensrealität der Palästinenser verschärft. So fließen die palästinensischen Steuereinnahmen in das israelische Steuersystem, um anschließend zurückgebucht zu werden. Diese Rückbuchungen wurden mittlerweile jedoch auf die Hälfte gedrosselt, weswegen Geld für öffentliche Ausgaben fehle. „Lehrkräfte können nur noch zu 50 Prozent bezahlt werden“, sagt Sayel. „Unsere Kinder können nur noch an zwei Tagen in der Woche unterrichtet werden“. 

Nach ca. eineinhalb Stunden beendet eine offene Fragerunde mit dem Publikum den Abend. Auf die Frage, was sie sich vom Rest der Welt wünschen, entgegnet Elie schlicht: „Seid menschlich.“ Sayel schließt die Veranstaltung ab: „Natürlich ist es komplett verrückt, Frieden zu fordern. Mitten im Krieg. Aber wir haben für uns die Verantwortung übernommen, an die Hoffnung zu glauben. Wie an einen Tropfen im Meer“.