Bischof Dr. Dröge in den palästinensischen Gebieten: „Ich bete für den friedlichen Fall der Mauer“

Pfarrer Saliba Rishmawi/Ramallah, Bischof Dr. Markus Dröge/EKBO, Bischof Dr. Munib Younan/ELCJHL und Roland Herpich, Direktor des Berliner Missionswerks, in Ramallah

Zu Beginn seines Besuches in Israel und den palästinensischen Gebieten erinnerte Dr. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, an die Entwicklung vor 20 Jahren in Deutschland: „Ich hoffe und bete, dass diese Mauer hier in Ihrem Land ebenso friedlich fallen wird wie die Mauer in Berlin.“ Bischof Dröge hält sich zurzeit zu seinem Antrittsbesuch bei der Partnerkirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, auf.

Nach der Landung führte der Weg des Bischofs, der von Kirchenrat Roland Herpich, Direktor des Berliner Missionswerkes, begleitet wurde, zunächst nach Talitha Kumi in Beit Jala, der ältesten evangelischen Schule in Palästina, in der seit 160 Jahren Mädchen und Jungen aus christlichen und muslimischen palästinensischen Familien gemeinsam erzogen werden. Die Einrichtung will die Botschaft der Versöhnung weitergeben und den Kindern ein Umfeld bieten, in dem sie trotz aller politischen Konflikte rundum zu selbstbewussten und toleranten Menschen heranwachsen können. „Bildungsarbeit ist hier wirkliche Friedensarbeit“, betonte Herpich, Das Berliner Missionswerk ist Träger der Einrichtung.

Als zweiter Punkt der Reise stand die 50-Jahr-Feier der Evangelischen Hoffnungsgemeinde in Ramallah auf dem Programm. In Ramallah wurde die deutsche Delegation vom Bischof von Jerusalem und Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Dr. Munib Younan, empfangen. Aus Anlass des Jubiläums waren zudem zwei weitere Gäste aus Berlin angereist: Pfarrer Gottfried Brezger und Martina Dethloff waren als Abgesandte der Berlin-Lichterfelder Johanneskirchengemeinde vor Ort, die seit 1991 eine Partnerschaft zur evangelisch-lutherischen Gemeinde in Ramallah unterhält.

In seinem Grußwort, in dem er Glückwünsche seiner Kirche und des Berliner Missionswerkes übermittelte, hob Bischof Dröge die lange Verbundenheit mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land hervor. Die „Gemeinde der Hoffnung“ in Ramallah schenke seit 1961 vielen Christen im Land Hoffnung – durch die Gemeindearbeit sowie die Bildungsarbeit, die sie leiste. Und zugleich sei sie so offen und tolerant, den Dialog mit den muslimischen Nachbarn zu suchen.

„Über die Jahre hinweg ist unsere Partnerschaft immer tiefer und lebendiger geworden“, betonte der Bischof. Diverse Austauschprogramme, aber auch der Einsatz von jungen Volontären aus Berlin-Brandenburg und die Unterstützung durch die Berlin-Brandenburger Kirche und das Berliner Missionswerk seien deutliche Belege für diese lebendige  Partnerschaft.

Schließlich kam der Bischof noch einmal auf das Jubiläum selbst zu sprechen. Gegründet 1961, sei die Gemeinde in Ramallah in einem Jahr gegründet worden, das für die Menschen in Deutschland für immer mit dem Bau der Mauer verknüpft sei. „Heute, 50 Jahre später, existiert diese Mauer nicht mehr. 1989 hat die „Friedliche Revolution“ bewirkt, dass ein Wunder geschah und die Mauer zerbrach.“ Den 50. Geburtstag der Hoffnungsgemeinde zu feiern, bedeute auch, die Hoffnung zu bewahren: „Gott kann Wunder wahr werden lassen, wenn wir alles tun, um Brücken zu bauen und um Freiheit und Gerechtigkeit und Frieden zur Einkehr zu verhelfen. Ich hoffe und bete, dass die Mauer hier eines Tages ebenso friedlich fallen wird wie die Mauer in Berlin 1989.“

An den kommenden Tagen wird die Delegation u.a. mit dem Deutschen Botschafter in Tel Aviv, Harald Kindermann, sowie mit dem Leiter des Vertretungsbüros der Bundesrepublik Deutschland in Palästina, Götz Lingenthal, und dem Propst der Deutschen Gemeinde in Jerusalem, Dr. Uwe Gräbe, zusammentreffen. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem werden Dröge und Herpich gemeinsam einen Kranz niederlegen.