Am Rande seines Besuchs in Japan sagte Bischof Markus Dröge telefonisch dem Evangelischen Pressedienst (epd), er habe zwar nicht den Eindruck, dass ein Ausstieg aus der Atomkraft derzeit in Japan eine Mehrheit finde. Die Situation erinnere ihn an die frühen 80er Jahre in Deutschland, als sich Christen gegen Atomkraft engagiert hätten, es aber noch keinen politischen Konsens dazu gab. Es sei aber ein Zeichen der Hoffnung für die Japaner, "dass dieser Grundsatzbeschluss zur Abkehr von der Atomkraft bei uns letztlich doch getroffen wurde".
Bischof Dröge sagte, die japanische Partnerkirche der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) habe eine klare politische Positionierung gegen Atomkraft. Zur evangelischen Kyodan-Kirche gehören rund 100.000 Mitglieder. Er besuchte die evangelischen Christen im Rahmen seiner zweiwöchigen Reise durch Ostasien. Dabei traf er mit Mitarbeitern und Bewohnern eines Heims für Jugendliche 80 Kilometer vom Katastrophenort Fukushima entfernt zusammen.
Markus Dröge sagte, in der Region bemühten sich nach wie vor alle, möglichst viel im Haus zu sein und sich nicht zu lange draußen aufzuhalten. "Wir haben auch gemerkt, dass die Atomkatastrophe ein Thema ist, über das man in Japan nicht gern spricht", ergänzte er. "Es ist angstbesetzt uns man möchte auch die Jugendlichen nicht ständig damit konfrontieren." Die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 löste international Entsetzen aus und sorgte wesentlich für den deutschen Beschluss zur Energiewende. Infolge eines Erdbebens und nachfolgenden Tsunamis wurden damals Teile des Atomkraftwerks von Fukushima zerstört und Strahlung freigesetzt.
In einem Grußwort am Sonntag in einem Gottesdienst der Partnerkirche nahm Bischof Dröge Bezug auf das am Freitag vom Bundestag verabschiedete Endlagersuchgesetz. Es sei "gut und richtig", dass das Problem nun angegangen werde, sagte er. Es mache aber auch deutlich, "wie unverantwortlich die Politik bislang mit der Endlagerung des Atommülls umgegangen ist". Mit Verweis auf den Gesetzestext, nach dem bis 2031 ein Endlager gefunden werden muss, sagte Markus Dröge, es dauere noch lange, bis die Frage der Endlagerung geklärt sei. "Die Energiewende ist beschlossen, aber damit sind die Probleme noch nicht gelöst", sagte er.