Bischof Dröge: Übersee-Projekte des Berliner Missionswerks exemplarisch für Partnerarbeit

Besuch im Huruma-Waisenkinderzentrum in Tansania: Direktor Roland Herpich, Bischof Dr. Owdenburg Mdegella von der Iringa-Diözese und Bischof Dr. Markus Dröge.

Gemeinsam mit Direktor Roland Herpich hatte Bischof Dr. Dröge im Oktober 20111 Tansania und Südafrika besucht; unter anderem informierten sie sich über den Aufbau eines gemeinwesenbasierten Krankenversicherungssystems in Mbozi. Im April 2012 reisten sie gemeinsam nach Kuba, wo sie das Bildungs- und Sozialprojekt "Gedenkzentrum Martin-Luther-King" in Havanna sowie ein Landwirtschaftsprojekt in Itabo besuchten.


Auszug aus dem Bericht an die Mitgliederversammlung des EED:


"[…] Die Arbeit des EED geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen in Übersee. In deren Arbeit spielt das Engagement von Basisgruppen eine zentrale Rolle. Sie führen ihre Projekte innerhalb eines aktiven Gemeinwesens in Selbstverwaltung durch. Es geht um Selbsthilfe sowie zunehmend um Selbstvertretung. Die Entwicklungsarbeit ist an den grundlegenden Menschenrechten orientiert. Das jeweilige staatliche Gegenüber wird zur Einlösung seiner Verpflichtungen aufgerufen. Die kirchliche Entwicklungsarbeit lebt vom Vertrauen in die Partnerorganisationen. Für sie ist es unabdingbar, dass sie die Veränderung wirtschaftlicher, sozialer und politischer Rahmenbedingungen einbeziehen. Sie arbeiten auf eine aktive Beteiligung und Selbstorganisation der Armen hin. Besonders die Verbesserung der Situation von Frauen, die einen Großteil der armen Bevölkerung stellen, ist dabei im Blick. Die Projektpartner wollen internationale Abkommen mitgestalten und die legitimen Interessen der sozialen Bewegungen auf UN-Ebene vertreten.

Ich bin dankbar, inzwischen selbst einige Projekte in Übersee kennengelernt und vor Ort gesehen zu haben, wie die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen gestaltet wird. Auf zwei Reisen, die ich mit dem Berliner Missionswerk gemacht habe, habe ich im Oktober 2011 in Tansania die Aufbauarbeit eines gemeinwesenbasierten Krankenversicherungssystems in Mbozi kennengelernt und im April dieses Jahres auf Kuba das Bildungs- und Sozialprojekt 'Gedenkzentrum Martin-Luther-King' in Havanna sowie ein Landwirtschaftsprojekt in Itabo.

Eine besondere Herausforderung für die Entwicklungsarbeit stellt der Klimawandel dar. Er bedeutet für sehr viele Menschen, vor allem in Afrika, Nahrungsmangel, Vertreibung, Flucht, wachsende Armut. Es fehlt weder an der Beschreibung der Phänomene noch an der Analyse. Partnerorganisationen bemühen sich um Vermeidungs- oder Anpassungsprogramme – aber oft ist das Überleben im Hier und Jetzt schon schwierig genug. Die Armen erleiden die Konsequenzen einer Entwicklung, zu der sie nicht oder nur marginal beigetragen haben. Das Thema 'Gerechtigkeit' ist in der Klimafrage zentral. Denn der Klimawandel verschärft soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten. Es leuchtet ein, dass jeder Mensch dasselbe Recht auf die Nutzung der Erdatmosphäre hat. Aber ebenso einleuchtend ist es, dass dieses Nutzungsrecht begrenzt werden muss. Stetiges Wirtschaftswachstum muss den Kollateralschaden des Emissionswachstums mitdenken. Stetiges Emissionswachstum raubt der Erde die Zukunft. Deshalb liegt es heute für jeden, der ideologie- und illusionsfrei denkt, auf der Hand, dass der Wohlstand der Nationen nicht mehr auf unkontrolliertem, ökologisch nicht reflektiertem Wirtschaftswachstum beruhen kann. Die Industrieländer sind in der Verantwortung, sich dem Innovationsdruck zu stellen und den ärmeren Ländern bei der Bewältigung ihrer Mammutaufgaben zu helfen. Ohne dass wir uns in den Industrienationen alter Prägung von überholten Denk- und Lebensmustern trennen, wird das nicht gelingen. Es bedarf der radikalen und umfassenden Umkehr, die die Bibel 'Metanoia' nennt, der Wende hin zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise […]"

Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Brot für die Welt haben in einer gemeinsamen Sitzung am 14. Juni 2012 ihre Fusion zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung besiegelt. Das neue Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung nimmt seine Arbeit im Oktober 2012 in Berlin-Mitte auf; in der Caroline-Michaelis-Straße 1 in der Nähe des Nordbahnhofes. Die Standorte Bonn und Stuttgart werden aufgegeben.