Dr. Khouloud Daibes-Abu Dayye, die selbst in Talitha Kumi zur Schule ging, erklärte in ihrem gestrigen Treffen mit den Schülern, dass die Palästinenser für die besondere Beziehung Deutschland zu Israel Verständnis haben. "Aber in der aktuell perspektivlosen Situation ist Deutschlands Unterstützung für die Palästinenser unbedingt erforderlich“, so Daibes-Abu Dayye weiter. Avraham Nir-Feldklein betonte heute im Missionswerk die kulturellen Gemeinsamkeiten zwischen Israelis und Palästinensern: „Wir sind beispielsweise die einzigen Völker, die von rechts nach links schreiben“. Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland seien ein gutes Beispiel, wie trotz schrecklicher Ereignisse in der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft möglich sei.
Während der Diskussion mit dem israelischen Gesandten scheuten sich die Schüler und Schülerinnen nicht, auch schwierige Themen anzusprechen: den Gaza-Krieg, die Sperranlagen, die Siedlungen. Avraham Nir-Feldklein warb um Verständnis für die Situation Israels, ohne die Lebensumstände der Palästinenser zu beschönigen: „Auch Israel will eine Zwei-Staaten-Lösung – aber nur für einen echten Frieden“, so Nir-Feldklein. Am Vorabend waren die deutschen Schülerinnen und Schüler und ihre palästinensischen Gäste mit der Botschafterin Palästinas in Berlin, Dr. Khouloud Daibes-Abu Dayye zusammengetroffen, um sich auch aus deren Perspektive informieren zu lassen.
Seit sechs Jahren organisiert die Hamburger Lehrerin Kristina Wiskamp diesen Austausch, nachdem sie selbst von 2004 bis 2008 an der Schule Talitha Kumi arbeitete. Sie freut sich, dass das Berliner Missionswerk als Träger der Schule den Austausch unterstützt - sowohl finanziell als auch mit seinem Know-How. Die Schüler und Schülerinnen aus Talitha Kumi kommen sowohl aus dem Zweig, der das Deutsche Internationale Abitur ablegen will, als auch aus den Klassen, die den palästinensischen Abschluss, das Tawjihi, anstreben. Ihre Austauschpartner aus Hamburg haben den Schwerpunkt „Politik/Gesellschaft/Wirtschaft“ gewählt.