In dem Buch werden die beiden grundlegenden Einsichten und Korrekturen angesprochen, welche die Theologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verkraften hatte. Beide haben weit über den kirchlichen Bereich hinaus Bedeutung. Es bedurfte der Einsicht in die Mitschuld an dem faschistischen Völkermord an den Juden Europas, um die Jahrhunderte alte christliche Irrlehre zu überwinden, das Christentum habe das Judentum als biblischen Verheißungsträger abgelöst. Seitdem ist der religiöse Absolutheitsanspruch der Kirchen obsolet, und die Herrschaft über andere Völker kann nicht mehr mit der Berufung auf eine Religion oder Rassenideologie gerechtfertigt werden.
Ähnlich einschneidend war die in den Kirchen der Dritten Welt gewachsene Erkenntnis, dass der Gott der Bibel hinsichtlich der sozialen Ordnung nicht neutral ist. Nach biblischem Zeugnis nimmt er Partei für die Armen, die Entrechteten, die unter Gewalt Leidenden. Auch diese Einsicht bedurfte der schockierenden Erkenntnis des Anteils der christlich geprägten Zivilisationen an der materiellen und kulturellen Verelendung, dem ein Großteil der Menschheit in der Gegenwart ausgesetzt ist.
Im Nah-Ost-Konflikt überschneiden sich diese beiden Erkenntnislinien wie nirgendwo sonst: Mark Braverman gehört zu der Generation, die die politischen, militärischen und zivilisatorischen Errungenschaften Israels enthusiastisch begrüßte. Seine Liebe gilt bis heute diesem Land. Er hat aber auch mit tiefem Erschrecken die Vertreibung, Unterdrückung und Erniedrigung der palästinensischen Bevölkerung durch die Politik Israels aus unmittelbarer Nähe wahrgenommen. Er leidet unter diesem Widerspruch und ringt leidenschaftlich um Versöhnung. Seine Beobachtungen und Schlüsse sind scharfsinnig und provozierend. Aber vor allem sucht er Brücken, die Juden, Christen und Muslime heute verbinden und zum Frieden führen können.
Zur Begegnung mit Mark Braverman laden ein: Hendrik-Kraemer-Haus / Niederländische Ökumenische Gemeinde / EAPPI Netzwerk-Berliner Gruppe (www.eappi-netzwerk.de)
Christen, Juden und die Suche nach Frieden im Heiligen Land