Frieden stiften – aber wie?
Es sind große Fragen, die am 21. Februar im Evangelischen Zentrum Georgenkirchstraße im Raum stehen. „Frieden stiften – aber wie?“ Rund 100 Teilnehmer:innen sind zum Studientag gekommen, seit 25 Jahren ist das Ökumenetreffen ein fester Termin im kirchlichen Kalender der Hauptstadt.
Gastgeber:innen waren Pfarrerin Barbara Hustedt, Ökumenereferentin des Berliner Missionswerkes und Bernd Streich vom Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin. „Wie geht Frieden stiften? Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Gaza-Krieg treibt uns alle diese Frage um. Mit Waffen – ohne Waffen? Mit Stärke oder in der Verletzlichkeit, in der Jesus sich gezeigt hat?“ Hustedt machte in ihrer Begrüßung deutlich, wie sehr die ökumenische Verständigung gerade im vierten Kriegsjahr in der Ukraine herausgefordert ist. „Die Antworten, die wir suchen und für uns selbst finden, sind keiner Konfession zugeordnet. Ob katholisch, evangelisch, freikirchlich oder orthodox, in jeder Konfession gibt es verschiedene Überzeugungen dazu, wie Frieden wird. Manchmal verbindet uns die inhaltliche Überzeugung mehr als die konfessionelle Zugehörigkeit.“ Frieden, so wurde an diesem Tag deutlich, ist kein Konsensbegriff. Er ist umkämpft.
Im 7. Stock des Evangelischen Zentrums, mit Blick über die Dächer der Stadt, trafen zwei Perspektiven aufeinander. Dr. Friederike Krippner, Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin, verteidigt die neue Friedensdenkschrift der EKD, an der sie selbst mitgewirkt hat. Sie versteht sie als Versuch, die biblische Friedensverheißung mit politischer Verantwortung in einer brüchigen Welt zusammenzudenken. Begriffe wie „rechtserhaltende Gewalt“, Fragen von Wehrpflicht und Klimagerechtigkeit stehen im Raum. Die EKD, so Krippner, gehe mit der Denkschrift bewusst einen politischen Weg, um politisches Handeln zu ermöglichen.
Dem widersprach Dr. Stefan Silber, Systematischer Theologe aus Saarbrücken und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der katholischen Friedensbewegung “pax christi”. Für ihn bleibt Pazifismus kein naiver Traum, sondern theologisch begründete Konsequenz: Der Frieden sei selbst der Weg. Jesus erscheine als Prototyp gewaltfreien Widerstands. Gewalt lasse sich nicht durch Gegengewalt überwinden, sondern durch beharrliche Praxis des Friedens.
Moderator Stefan Förner sammelte Fragen, bündelte Kritik. Auch Christ:innen aus der ehemaligen DDR meldeten sich zu Wort. Sie erinnerten an die Görlitzer Synode von 1987 und deren klare Absage an Abschreckungslogiken. Manche sehen in der neuen Denkschrift einen Rückschritt, andere dagegen anerkennen ihren Realismus. Auch der ökumenische Alleingang der EKD wurde diskutiert. Am Nachmittag vertiefen Workshops die Kontroversen.
Das Ökumenetreffen 2026 endet nicht mit einem Beschluss, sondern mit einem Gebet. Im Andachtsraum klingt Musik vom Flügel, und die Bitte bleibt im Raum stehen: „… so lass auch uns zu Friedensstiftern werden.“ Zum Abschluss tritt noch einmal Barbara Hustedt vor die Versammlung. Als eine der Gastgeber:innen dankt sie für die Offenheit der Debatte und Bernd Streich lädt bereits zum nächsten Ökumenetreffen 2027 ein. Der Studientag habe einmal mehr gezeigt, so Hustedt, dass Ökumene dort lebendig wird, wo Unterschiede nicht verschwiegen, sondern Menschen miteinander ins Gespräch gebracht werden.