Unter dem Vorsitz der Neuköllner Superintendentin Viola Kennert kam der Beirat jetzt zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Mitglieder des Beirats repräsentieren universitäre Theologie, Öffentlichkeitsarbeit, die Arbeit in Schulen und nicht zuletzt den Islam-Arbeitskreis sowie den Arbeitskreis Christen und Juden der EKBO. Ein wissenschaftlicher Referent der Berliner Urania gewährt einen Blick "von außen". Gemeinsam sollen die Mitglieder grundsätzliche Fragen klären: Wo liegen die Herausforderungen des interreligiösen Dialogs? Welche Bedeutung hat Religion in unserer Gesellschaft? Geht es in der Diskussion um theologische Fragen – oder geht es um Einfluss in der Öffentlichkeit?
Zurzeit konzentriert sich der interreligiöse Dialog vor allem auf Christentum, Judentum und Islam. Das liege auch an den öffentlichen Ansprüchen, die diese Religionen vertreten, sagt Viola Kennert. Aber wie sieht es damit in der Zukunft aus? Wie wird sich die Evangelische Kirche zu diesen Ansprüchen verhalten? Der Beirat des Berliner Missionswerks sei als Denkwerkstatt gedacht, um solche Fragen zu diskutieren. Die großen Kirchen sind subsidiarisch in der Gesellschaft tätig, so Kennert weiter, sie helfen da, wo der Staat nicht mehr helfen kann oder will. Auch deshalb spielen sie im Moment noch eine andere Rolle als beispielsweise die islamischen Gemeinschaften.
Die großen Kirchen waren gewohnt, den anderen Religionsgemeinschaften "die Plätze zuzuweisen", sagt Dr. Goetze, "wer daran festhält, gefährdet den Dialog." Die Wahl des neuen Papstes, die Inszenierung einer Weltkirche ließ zum Beispiel keinen Platz für andere Religionen. Das sei nicht ihr Verständnis, betont Viola Kennert: "Wir sind unterschiedliche Religionen in der Welt – und wir müssen unsere Beziehungen sortieren und klären".
Interreligiöser Dialog gelinge am besten zwischen gleichermaßen selbstgewissen und sprachfähigen Teilnehmern. Gerade bei Christen sei das leider nicht immer der Fall. "Aber wenn ich nicht von meinen Glauben erzählen kann, nehmen Muslime mich nicht ernst", sagt Andreas Goetze, "ein Dialog, der nur ein paar Kenntnisse vermitteln will, hat deshalb keine Zukunft".
Kontakt:
Dr. Andreas Goetze, Landeskirchlicher Pfarrer für den interreligiösen Dialog im Berliner Missionswerk, Georgenkirchstraße 70, 10249 Berlin, Tel.: 030/24344-167, a.goetze@bmw.ekbo.de, <link http: www.interreligioes-bmw.ekbo.de.>www.interreligioes-bmw.ekbo.de.
Denkwerkstatt für den interreligiösen Dialog eröffnet