In dem Gespräch, an dem auch Pröpstin Friederike von Kirchbach, Präsident Ulrich Seelemann sowie der Direktor des Berliner Missionswerkes, Roland Herpich, teilnahmen, ging es um die aktuelle Situation der Christen in Ägypten. „Auch meine eigene Kirche in
Mallawi sowie mein eigenes Haus dort wurden ausgeraubt und angezündet. Meine Familie und die Menschen aus meiner Gemeinde leben in ständiger Angst und trauen sich nicht, das Haus zu verlassen.“ Es sei nur einer Terminänderung zu verdanken, dass er selbst zu dem Zeitpunkt des Überfalls nicht vor Ort gewesen sei. Die Situation spitze sich von Tag zu Tag zu.
Obwohl Kades deutlich gegen die Muslimbrüder und die frühere Mursi-Regierung Stellung bezieht („Es gab nie eine echte Demokratie in Ägypten. Mursi hat die Verfassung von Anfang an benutzt und
ausgehöhlt“), warnt er davor, von gezielter Christenverfolgung zu sprechen und Gräben zwischen Muslimen und Christen aufzureißen. In Europa werde die Lage in Ägypten aufgrund einseitiger Medienberichte oftmals verkannt. In Wahrheit seien die Islamisten eindeutig in der Minderheit, unterstützt allerdings von radikalen Kräften, die aus Syrien, Pakistan und Afghanistan eingereist seien. Diese radikalen Kräfte aus dem Ausland – erkennbar an ihrer schwarzen al-Quaida-Flagge – seien es auch, die zur Eskalation der Gewalt im Land wesentlich beigetragen hätten. „In der Tat zerfällt die Bevölkerung in Ägypten in zwei Lager: Da sind die Islamisten einerseits, und da sind die Christen und besonnenen
Muslime andererseits. Die letzteren leben friedlich zusammen, und beide, Christen wie Muslime, leiden unter den Muslimbrüdern und ihren Mitkämpfern“, so Kades.
Die Bevölkerungsmehrheit wolle vor allem eines: einen demokratischen, zivilen Staat, ohne religiösen Fanatismus, ohne Militärherrschaft. Dass das Militär im Juni die Macht übernommen habe, sei aufgrund der Dialogunfähigkeit der Mursi-Regierung unausweichlich gewesen. Das könne und dürfe aber nur eine Zwischenlösung sein auf dem Weg zu Frieden und Demokratie. Ob es noch Hoffnung für Frieden in Ägypten gebe? Da äußert sich Kades vorsichtig. „Natürlich dürfen wir die Hoffnung nie aufgeben. Aber wir brauchen dringend Unterstützung aus Europa und den USA. Es ist wichtig Druck auszuüben auf die Muslimbrüder, damit sie bereit werden zum Dialog.“ Daher sei er sehr dankbar, dass Bischof Dröge und Pröpstin von Kirchbach ihm ihre Unterstützung zugesichert hätten. Pröpstin Friederike von Kirchbach hatte – in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Missionsrates des Berliner Missionswerkes –eine Solidaritätsnote an die presbyterianisch-koptische Kirche Ägyptens, die so genannte Nilsynode, geschickt. Die Nilsynode ist die älteste und größte protestantische Kirche in Ägypten. Sie hat etwa 700.000 Mitglieder in 300 Gemeinden. Zwischen ihr und der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz besteht eine Partnerschaft, die vom Berliner Missionswerk gepflegt wird.