Auf Einladung der „Kommission Frauen in der Mission“ berichteten Referentinnen und Referenten aus Nigeria, Indonesien, Brasilien, den Niederlanden und Deutschland aus Forschung und Praxis. Ein erstes Ergebnis der Konsultation war die Feststellung, dass der Themenkomplex Handel mit Frauen und Kindern noch zu wenig in den Partnerschaftsbeziehungen zwischen Kirchen, Gemeinden und Missionswerken aufgenommen sei. Zwar gebe es eine ganze Reihe vielversprechender Einzelprogramme. Notwendig sei aber die Bildung von Informationsnetzen von Kirchen für einen schnelleren Informationsaustausch, eine engere Zusammenarbeit mit anderen Religionen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Regierungen. Als nächsten Schritt will die Kommission Handlungsempfehlungen für die Mitgliedswerke und Kirchen erarbeiten
Ein typisches Einzelschicksal schilderte Fulata Moyo vom Ökumenischen Rat der Kirchen: Während einer Dienstreise traf sie in Thailand ein 14-jähriges hoch schwangeres Mädchen, das während ihrer Entführung aus Myanmar drei Mal von den Menschenhändlern vergewaltigt worden war. Schicksale wie dieses forderten Kirche und Theologie heraus, mit einer „Ethik und Praxis“ der Fürsorge auf Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung zu reagieren. Moyo forderte, „sichere Orte“ für Mädchen und Frauen zu schaffen, wo diese unterstützt werden, ihre Erlebnisse aufzuarbeiten.
Dass sich Kirchen mit Beratung und Prävention erfolgreich engagieren können, berichtete die in Hongkong arbeitende indonesische Pastorin Maryam Magdalena. Die ehemalige britische Kronkolonie ist eines der Ziele von Arbeitsmigrantinnen aus verarmten Regionen Asiens. Viele der über dubiose Vermittler abgeschlossenen Arbeitsverträge würden direkt in die Ausbeutung führen, sagte Magdalena. Die meist als Hauspersonal tätigen jungen Frauen seien überdies häufig Gewalt ihrer Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ausgesetzt. Schon vor mehr als 15 Jahren hätten es philippinische und indonesische Mitgliedskirchen der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) erreicht, dass den Arbeitsmigrantinnen durch Kirchen in Hongkong Hilfe und Unterstützung angeboten wurde.
Ein Pilotprojekt, das dem Menschenhandel entgegengewirkt, stellte Alhinis Kambodji von der Asiatischen Christlichen Konferenz (CCA) vor. In einem Dorf in Ost-Java, in dem Arbeitsvermittler regelmäßig 14- bis 18-Jährigen Jugendlichen anwarben, wurde mit der Dorfgemeinschaft ein Programm zur Erhöhung der Einkommens der Familien gestartet. Beratung für Einkommen schaffende Maßnahmen durch Verbesserung der landwirtschaftlichen Erzeugung und die Entwicklung von Kleingewerbe habe die wirtschaftliche Lage so verbessert, dass die Abwerbung gestoppt wurde. Die Jugendlichen würden nun ihre Schulausbildung beenden.
Weitere Vortragende waren der Menschenrechts-Experte Theodor Rathgeber von der Universität Kassel und Miriam von Reisen von der Tilburg School of Humanities, die über ihre Recherchen zu Menschenhandel mit Flüchtlingen auf dem Sinai berichtete. Die katholische Ordensschwester Augustine Onwuiko aus Nigeria referierte über die Arbeit der 1999 gegründete Organisation COSUDOW, die durch Aufklärung der „modernen Form von Sklaverei“ begegnet und Aussteigerinnen aus der Prostitution Rehabilitations- und Wiedereingliederungsprogramme anbietet.
<link file:362>Von der Sehnsucht zur Hoffnung – ‚Du verwandelst meine Klage in Freude‘
Morgengebet mit Pfarrerin Barbara Deml-Groth bei der Tagung