Maike Schimanowski: Erstcheck im Archiv

Maike Schimanowski ©G. Herzog

Transparente Grundlagen schaffen

Das Berliner Missionswerk misst der Aufarbeitung seiner kolonialgeschichtlichen Bestände eine hohe Bedeutung bei. Im Rahmen von mission:reflexion wird diese Verantwortung nicht nur in Ausstellungen sichtbar, sondern auch konkret in der wissenschaftlichen Arbeit an den eigenen Sammlungen. Ein aktueller Baustein ist der „Erstcheck“ der afrikanischen Bestände der sogenannten „ethnologischen Sammlung“ im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv Berlin (ELAB).

Seit drei Wochen arbeitet dort die Kunsthistorikerin Maike Schimanowski an der systematischen Sichtung der Sammlung. Das auf sechs Monate angelegte Projekt, gefördert durch das Deutsche Zentrums Kulturgutverluste (DZK), läuft bis Ende Juni. Ziel ist eine erste fachliche Einschätzung möglicher kolonialer Kontexte und die Vorbereitung weiterer Provenienzforschung.

Maike Schimanowski hat Kunstgeschichte im globalen Kontext mit Schwerpunkt Afrika an der Freien Universität Berlin studiert. Ihre Masterarbeit befasste sich mit der künstlerischen Praxis von Kapwani Kiwanga. Zuvor absolvierte sie ein Studium der Kulturarbeit an der Fachhochschule Potsdam mit einer Diplomarbeit in Kooperation mit der Wits School of Arts in Johannesburg.

Die Sammlung des Berliner Missionswerks umfasst rund 900 ethnografische Objekte, vorwiegend aus dem heutigen Tansania, aus Südafrika sowie aus China. Viele dieser Objekte gelangten während der Kolonialzeit nach Deutschland, häufig über Missionar:innen der damaligen Berliner Missionsgesellschaft. Die Erwerbungs- und Nutzungskontexte sind vielfach nur unzureichend dokumentiert.

Der „Erstcheck“ folgt den Empfehlungen des DZK. Auf Grundlage der vorhandenen Archivlisten und Findbücher werden die Objekte gesichtet, fotografisch ergänzt und hinsichtlich möglicher kolonialer Kontexte eingeschätzt. Klar umrissene Teilbestände existieren bislang nur in zwei Fällen – den Sammlungen des Missionars Carl Jauer sowie von Anneliese Lühling. Darüber hinaus sind Beschreibungen häufig lückenhaft oder fehlerhaft, Provenienzen oft unklar.

Zentrales Ziel des Projekts ist es, transparente Grundlagen zu schaffen: Bis zu zehn Objekte sollen identifiziert werden, bei denen sich eine vertiefte Weiterarbeit anbietet. Die Ergebnisse werden in einem deutsch-englischen Bericht für die Forschungsdatenbank PROVEANA dokumentiert. Damit übernimmt das Berliner Missionswerk Verantwortung für seine historischen Bestände und macht den eigenen Umgang mit Sammlungsgut nachvollziehbar. Auf diese Weise versteht das Berliner Missionswerk mission:reflexion als einen langfristigen Prozess, der Forschung, Dialog und institutionelles Lernen miteinander verbindet.

Die Ausstellung mission:reflexion lädt dazu ein, die 200-jährige Geschichte der Berliner Mission zu erkunden und den Missionsgedanken kritisch zu reflektieren. Unter dem Leitbegriff „mission:reflexion“ versteht das Berliner Missionswerk die Auseinandersetzung mit den historischen Entwicklungen, den Erwartungen und Ideen der Mission sowie mit den Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaften, auch im Spiegel kolonialer Verflechtungen. Die Ausstellung macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar und ist sowohl im Missionshaus als auch online zugänglich.

www.berliner-missionswerk.de/mission-reflexion