Missionsgeschichte in Südafrika: Aufarbeitung fortgesetzt

Die Aufarbeitung der Geschichte evangelischer Mission in Südafrika liegt jetzt vor (Foto: Herzog)

Der neue Studienprozess soll die Rolle der Auslandsarbeit evangelischer Kirchen und Missionswerke aus Deutschland oder deutschen Ursprungs im südlichen Afrika von den 1930er Jahren bis 1982 untersuchen. Die Zeit von 1983 bis 1994 kann nur bedingt mit einbezogen werden, da die meisten Archivmaterialien aus dieser Zeit noch gesperrt sind.

Bisher hat der ehemalige Südafrikareferent des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM Hermannsburg) die Missionswerke vertreten. Im neuen Studienprozess wird diese Aufgabe der Afrikareferent des Berliner Missionswerks, Dr. Reinhard Kees, übernehmen. Ein wissenschaftlicher Beirat wird für die Qualität und die Unabhängigkeit der Forschungen Rechnung tragen. Für die operative Arbeit wurden Pfarrer Hanns Lessing als wissenschaftlicher Geschäftsführer und die Leiterin der Wuppertaler Museumsstiftung, Julia Besten, als administrative Geschäftsführerin bestellt.

Der von 2007 bis 2011 durchgeführte Studienprozess nahm zunächst nur die Epoche bis etwa 1930 in den Blick. Getragen wurde der Prozess von der EKD, von den evangelisch-lutherischen Partnerkirchen in Südafrika und Namibia sowie von mehreren evangelischen Missionswerken, darunter auch das Berliner Missionswerk. Die Ergebnisse wurden unlängst in einem Sammelband veröffentlicht („Hans Lessing u.a. (Hg.), Deutsche evangelische Kirche im kolonialen südlichen Afrika: Die Rolle der Auslandsarbeit von den Anfängen bis in die 1920er Jahre, Wiesbaden 2011)“). Die Beiträge beleuchten so unterschiedliche Aspekte wie die theologischen Hintergründe des Kolonialismus, das Leben der deutschen Siedler im südlichen Afrika im 19. und frühen 20. Jahrhundert und den Völkermord an den Herero und Nama. An einer englischen Übersetzung wird zur Zeit gearbeitet; sie soll im Herbst des nächsten Jahres erscheinen.