"Missionshauskinder" ließen Geschichte lebendig werden

Regina Reifegerste führt eine Gruppe ehemaliger Bewohner durch das umgebaute Missionshaus. Links Dr. Hans-Wilhelm Pietz, bis 2013 Regionalbischof von Görlitz. (Fotos: Jutta Klimmt)

Im Missionshaus gab es von Beginn an nicht nur Büros und Seminarräume, sondern auch Wohnungen für die Direktoren und Referenten mit ihren Familien. Auch aus Übersee zurückkehrende Missionare kamen hier zeitweise unter. Später wurde das Haus zu einem ökumenischen Zentrum für die Kirchen der DDR; es hieß jetzt "Ökumenisch-Missionarisches Zentrum" (ÖMZ). Zugleich war im vierten Stockwerk die Predigerschule "Paulinum" untergebracht: mit Schlafsälen für die Studierenden und Wohnungen für die Lehrenden.

 

"Es gab nie eine Trennung zwischen Privatem und Dienstlichem im Hause. Für unsere Eltern war das sicherlich manches Mal nicht einfach", so Hanns Christof Brennecke im Rückblick. "Aber für uns Kinder war es einfach ein Traum, in diesem großen Gebäude aufzuwachsen: mit den vielen Wohnungen, mit dem gemeinsamen Spielen und Singen und Musizieren." Brennecke, der ein halbes Jahr alt war, als seine Eltern 1947 ins Missionshaus zogen, erinnert sich an eine große Kinderschar, inmitten derer er groß wurde. Und außerdem an die Zerstörung ringsherum: an die Trümmerbahn, die Kriegsschutt in den Volkspark brachte,  und an Glühbirnen im Flur, die aus Angst vor Diebstahl vergittert waren. "Und so lebten wir hier nach dem Krieg in einer – wenn auch nicht unbeschädigten – Oase." Für Markus Meckel, 1990 Außenminister der DDR, blieb neben den vielen Kindheitserinnerungen und dem starken Zusammengehörigkeitsgefühl vor allem eines haften: Auch nach dem Mauerbau blieb das Missionshaus ein „Tor zur Welt“.

 

Das "Missionshauskindertreffen" war auf Initiative einiger der heute erwachsenen "Kinder" zustande gekommen. Neben Austausch und Führung durch die Gebäude standen ein gemeinsamer Gottesdienst in der benachbarten Bartholomäuskirche sowie natürlich viel Zeit für Fotos und Erinnerungen auf dem Plan.