Im Schulzentrum Talitha Kumi wurde der Präsenzunterricht vorübergehend eingestellt: aus Sorge um die Sicherheit der Kinder. Denn mittlerweile sei die Stimmung auch in der Westbank sehr angespannt; jederzeit könne es zu Ausschreitungen kommen, so Schulleiter Matthias Wolf. „Wir haben eine besondere Verantwortung unseren SchülerInnen gegenüber.“ Zugleich sieht Wolf leise Hoffnungszeichen am Horizont.
Die aktuelle politische Lage im Heiligen Land belastet die gesamte Gesellschaft, sowohl auf palästinensisch-arabischer als auch auf israelischer Seite, betont Schulleiter Matthias Wolf. „Und dieser Druck ist deutlich spürbar. Denn der Konflikt findet dieses Mal sowohl in Gaza als auch an vielen anderen Orten statt: In der Region Jerusalem, etwa 15 Kilometer von unserem Schulzentrum Talitha Kumi entfernt, schlagen Bomben ein. Einige Familien unserer SchülerInnen können diese Einschläge hören.“
Auch Pfarrer Joachim Lenz, seit August 2020 Propst von Jerusalem, berichtet von der belastenden Situation vor Ort: Ganz nah und bedrohlich für die Menschen in Jerusalem seien „die nächtlichen Zusammenstöße von fanatisierten muslimischen Gruppen oder extremistischen jüdischen Siedlern mit der israelischen Polizei. Diese fanden in direkter Nachbarschaft statt.“ Er sieht die Gefahr, dass die Konflikte weiter eskalieren könnten. „Extremisten beider Seiten haben in mehreren Städten Jagd aufeinander gemacht. Da brechen Ärger, Unzufriedenheit und Hass hervor, die über Jahrzehnte angewachsen sind.“
Zugleich sieht Lenz Hoffnungszeichen: „Die große Mehrzahl der jüdischen und muslimischen, israelischen und palästinensischen Menschen will schlicht in Frieden und Gerechtigkeit leben.“ Auch verweist er auf die die Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), Partnerkirche des Berliner Missionswerkes, die seit vielen Jahren die israelische Besatzungspolitik kritisiere und gleichzeitig jeden bewaffneten Konflikt ablehne.
Auch Schulleiter Matthias Wolf berichtet von vielen Beispielen gut gelebter Nachbarschaft. „Mir hat eine Schülermutter aus Ostjerusalem erzählt, dass sie wie immer mit ihrer jüdischen Nachbarin gemeinsam Café getrunken hat. Die allermeisten Menschen hier, Israelis wie PalästinenserInnen, sind an einem friedlichen Leben interessiert. Daher bleiben wir zuversichtlich und hoffen, dass sich die Situation bald wieder entspannt.“
Die Schule Talitha Kumi in Trägerschaft des Berliner Missionswerkes sieht ihre pädagogische Arbeit als Beitrag zur Überwindung von Konflikten und Gewalt im Heiligen Land an und damit als wichtigen Beitrag zum Frieden in der Region. Zu den Zielen des Unterrichts gehört es, den Angehörigen verschiedener Konfessionen und Religionen Toleranz und Respekt zu vermitteln.