Partnerschaft mit Saratow und Wolgograd

Pröpstin Friederike von Kirchbach legt am Denkmal zur Erinnerung an die Vertreibung der Wolgadeutschen ("Den russischen Deutschen, Opfern der Repression in der UdSSR") eine Blume nieder. Es steht in Engels, der ehemaligen Hauptstadt der Wolgadeutschen Republik.

Mit dabei waren Pröpstin Friederike von Kirchbach, Vorsitzende des Missionsrates, Direktor Roland Herpich und Pfarrer Lars Haake, Vorsitzender des Wolga-Beirats sowie Osteuropa-Referent Pfarrer Wolfgang Iskraut. In Wolgograd, ehemals Stalingrad, feierte die Delegation aus Deutschland am Ostersonntag - der in diesem Jahr mit dem Ostersonntags-Termin der Orthodoxen Kirche zusammen fiel - den Ostergottesdienst in der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde. Auf dem Programm der Reise standen außerdem das Kennenlernen der Gemeinde- und Propstei-Situation sowie die Besichtigung von Gedenkstätten, die an die Opfer der Schlacht von Stalingrad 1942/43 erinnern. Auch das Denkmal, das an die Vertreibung der Wolgadeutschen im Zweiten Weltkrieg erinnert, besuchte die Delegation und legte Blumen nieder.

Die beiden Propsteien Saratow und Wolgograd erstrecken sich auf etwa tausend Kilometern entlang des westlichen Ufers der mittleren und unteren Wolga. Die meisten Gemeinden liegen  westlich des Stroms. Die Entfernung zur jeweils nächsten Gemeinde beträgt regelmäßig zwischen 50 und 300 Kilometern; wobei sich die größeren Distanzen in der südlicher gelegenen Propstei Wolgograd finden. Die Mitgliederstruktur der Kirchengemeinden – mit Mitgliederzahlen zwischen 25 und 200 Gläubigen – entspricht der Demografie Russlands, bezüglich des Einkommens liegt sie unter dem russischen Durchschnitt. Die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen den beiden ELKER-Propsteien Saratow und Wolgograd und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sichert die zukünftige Entwicklung der Partnerschaft rechtlich  ab und stellt sie in eine Reihe mit den anderen Partnerschaften der EKBO bzw. des Missionswerks.

Stalin sah die Wolgadeutschen als Feind im eigenen Land. Im August 1941, kurz nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht, verfügte er die zwangsweise Umsiedlung von fast einer Million Wolgadeutscher nach Sibirien, Kasachstan und Zentralasien. Noch weit in die Nachkriegszeit, bis 1956, mussten sie in Sondersiedlungen leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in dem ehemaligen Siedlungsgebiet der Wolgadeutschen kaum noch Russlanddeutsche und lutherische Christen. Während und nach der Perestroika ab 1986 wurden zahlreiche Gemeinden neu gegründet, meist aus russlanddeutschen Kulturvereinen und Lobbygruppen heraus. Diese Gemeinden wurden bald auch für Gläubige nichtdeutscher Herkunft attraktiv.