Pfarrer und Imame im Roten Rathaus

Innensenator Dr. Ehrhart Körting (re.) mit Direktor Roland Herpich (Foto: Gerd Herzog/Berliner Missionswerk)

„In globalen Städten müssen die Religionen friedvoll zusammenleben“, so Innensenator Körting. Gemeinsam mit Roland Herpich, Direktor des Berliner Missionswerks, eröffnete er am Samstag, 15. Oktober, das Interreligiöse Fachgespräch im Roten Rathaus. Delegationen aus Berlin, Göteborg und Leicester trafen sich in Berlin zum II. Interreligiösen Fußballturnier; vor dem Turnier tauschten sich die Teilnehmer im Roten Rathaus über den Stand des Interreligiösen Dialogs in ihren Heimatstädten aus. Mehr noch als auf die großen Events komme es auf solche Begegnungen im Alltag an, würdigte Körting das Engagement der Teilnehmer an Gespräch und Turnier.

Dr. Christof Theilemann vom Ökumenischen Zentrum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sprach über die Situation  in Berlin. Hier gebe es eine jahrhundertealte Tradition religiöser Toleranz, so Theilemann. Die Jahre der Nazi-Barbarei seien nicht typisch für den Umgang der Berliner mit Andersgläubigen. Neben dem Dialog zwischen den Repräsentanten der Glaubensgemeinschaften gebe es Hunderte von Basisinitiativen. Das sei sehr ermutigend, denn auch in Berlin sei der Atheismus ein Massenphänomen. Das Ökumenische Zentrum der Berliner Landeskirche werde zügig ausgebaut. Zurzeit werde ein Beauftragter für den Interreligiösen Dialog gesucht, der ebenso wie der Landespfarrer für Ökumene und der Beauftragte für Migration im Berliner Missionswerk angesiedelt werde.

Lennart Engström, Ant-Diskriminierungs-Dezernent der Stadt Göteborg lobte die Arbeit des Interreligiösen Rats seiner Stadt: „Mit ihren Initiativen gewannen sie erst den Respekt und dann die Unterstützung der Verantwortlichen.“ Im nächsten Frühjahr eröffnet dieser Rat ein Interreligiöses Zentrum; Zana Mohammad koordiniert die Gründung. Glaubensstark und mit offenem Herzen sollten die Gläubigen der unterschiedlichen Religionen den Dialog angehen, so Mohammad, „niemand soll sich im Dialog verlieren“. Nur so könne man eine gemeinsame Basis finden.

In Leicester gibt es schon länger ein Interreligiöses Zentrum. Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und vom 7. Juli 2005 in London schufen fünf christliche Konfessionen gemeinsam das St. Philip’s Centre. Direktor John Hall von der Anglikanischen Kirche erläuterte in seiner Präsentation, mit welcher Vielzahl von Programmen, Dialoggruppen und Events das Zentrum der Verständigung dient. Aber auch in England wolle nicht jeder ein friedvolles Zusammenleben der Religionen. Aber wer eine Religion angreift, greift alle Religionen an, so John Hall. Und das ist kein Lippenbekenntnis: Im Oktober 2010 wehrte man sich gemeinsam gegen britische Rechtsextremisten, die mit rassistischen und islamfeindlichen Parolen durch Leicester marschieren wollten.