Im Jahr 1929 starb der letzte Ureinwohner, der noch mit Kaurna aufgewachsen war, der Sprache der Ureinwohner in der Region um Adelaide. Seitdem galt Kaurna als tote Sprache. Oder, wie die Aborigines heute sagen, „sie hatte sich schlafen gelegt“. Nun kamen Australier nach Berlin, die sie wieder erwecken wollen. Darunter Dr. Alice Wallara Rigney, pensionierte Schulrektorin und selbst Aborigine: „Die Kultur der ersten Australier ist heute in Städten wie Adelaide unsichtbar“, sagt sie. „Mit der Sprache können wir die Kultur unserer Vorfahren wiederbeleben“. Auf Kaurna heißt sie übrigens Alitya Kartanya. Sie ist keineswegs dagegen, dass alle Aborigines Englisch lernen: „Aber wir wollen beide Sprachen lernen und selbst entscheiden, wann wir sie nutzen - denn Sprache ist Macht“.
Die englische Kolonialverwaltung – und später die australische Regierung - wollten die eingeborenen Sprachen auslöschen. Dass mit den Sprachen auch Kultur und Traditionen der Ureinwohner untergehen sollen, wurde nicht nur in Kauf genommen, sondern beabsichtigt. Vor allem im Süden des australischen Kontinents, den die Briten zuerst besiedelten, ist es damals fast gelungen. Verständlich, dass den Briten nicht gefiel, als die deutschen Missionare in den 1830-iger Jahren begannen, die Kinder der Ureinwohner in deren Muttersprache zu unterrichten. Ungeachtet aller Anfeindungen lernten die Missionare in anderthalb Jahren Kaurna. „Die Menschen müssen den deutschen Missionaren vertraut haben“, sagt Verna Koolmatrie, „sonst hätten sie ihr Sprachwissen niemals mit Weißen geteilt“. Auch sie ist eine Aborigine; sie gehört zum Stamm der Ngarindjeri.
Dr. Rob Amery von der University of Adelaide hat über die Wiederbelebung von Kaurna promoviert. Aber er beschäftigt sich nicht nur wissenschaftlich mit dieser Sprache, sondern hilft seit Jahren, die Sprache im Alltag wiederzubeleben. Gemeinsam mit Aborigines organisiert er beispielsweise Sprachkurse in öffentlichen Schulen und hilft bei der Übersetzung von Namen und Begriffen. Ohne die von den Missionaren verfassten Wörterbücher und Grammatiken wäre es aussichtslos, die indigenen Sprachen wiederzubeleben, betont er. Ein später Erfolg, von dem die Missionare noch nichts ahnen konnten. Sie beendeten alle Bemühungen unter den weit verstreut lebenden Aborigines und kümmerten sich fortan nur noch um deutsche Auswanderer. Es mag auch eine Rolle gespielt haben, dass auf Verlangen des Bischofs von Adelaide alle getauften Ureinwohner fortan der anglikanischen Kirche angehören sollten. Ein guter Anlass, an Schürmann und Teichelmann zu erinnern und ihre Arbeit zu würdigen, bietet sich in zwei Jahren. Dann jährt sich zum 175. Mal die Ankunft der deutschen Missionare in Australien. Der Besuch der Delegation im Missionswerk war ein erster Anstoß, diese späten Früchte evangelischer Missionsarbeit zu würdigen. Weitere Informationen zur Wiederbelebung von Kaurna finden Sie auf der <link http: www.adelaide.edu.au directory robert.amery>Homepage von Dr. Rob Amery
Späte Früchte: Aborigines besuchen Missionshaus