Aus dem Rundbrief Pfarrer Otto Kohlstocks vom 20. August 2018:
„Das Wasserproblem ist noch immer akut. Doch zum Glück war der Himmel uns gnädig und schickte endlich genug Regen, so dass der gefürchtete Tag Null („Day Zero“), an dem alle Wasserhähne in und um Kapstadt versiegen sollten, erst einmal nicht stattfand. In den letzten Wochen und Monaten herrschte eine regelrechte Panikstimmung in der Stadt. In den Läden stritt (und schlug) man sich um die letzten Wasserflaschen. Wir wurden täglich, ja stündlich im Radio daran erinnert, wenn überhaupt, dann nur zwei Minuten zu duschen und das Wasser in einer Wanne aufzufangen und für die Toilettenspülung oder den Garten zu benutzen.
Die Gärten waren ohnenhin alle vertrocknet und sollte jemand grünes Gras haben, so wurde diese Person geächtet und den Behörden gemeldet. Ebenso wurden Fahrer von gewaschenen Autos gerügt. In Restaurants wurde kein Leitungswasser mehr ausgegeben, und auf den Toiletten befand sich meist nur noch Desinfektionsspray. In den Medien wurde uns täglich der Tag Null vor Augen gehalten, an dem man in langen Schlangen vor aufgestellten Notwasserhähnen warten müsste, bis man an der Reihe war, 50 Liter Wasser pro Person pro Tag abzuholen. Wie sich später herausstellte, hat die Stadtverwaltung zwar nicht überreagiert, aber die Bevölkerung mit geschilderten möglichen Horrorszenarien über Gebühr in Panik versetzt. An das Wassersparen haben sich jetzt die meisten gewöhnt, zumal die Wasserpreise in die Höhe geschnellt sind. Arme Menschen bekommen zum Glück das Wasser umsonst.
Leider ist aber auch iThemba Labantu nicht von den hohen Wasserkosten ausgenommen. Man könnte meinen, dass eine Organisation wie die unsere, die täglich Hunderte von Kindern mit Essen, Trinken und Unterricht versorgt, einen besseren Wassertarif bekäme. Weit gefehlt! Die Stadtverwaltung hatte die letzten fünf Jahre unseren Verbrauch nur geschätzt und nicht abgelesen. Nun aber bekamen wir eine Aufforderung für eine enorm hohe rückwirkende Zahlung. Jetzt lesen wir den Wasserverbrauch täglich ab – und haben festgestellt, dass unser Wasserverbrauch wirklich sehr hoch ist.
Aber bei täglich 400 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die alle trinken und Toiletten benutzen, ist das auch kein Wunder. Und zusätzlich kochen wir auch noch täglich für 300 Kinder! Aber Not macht bekanntlich erfinderisch und so haben wir uns nach einer Möglichkeit umgesehen, unser reichlich vorhandenes, aber unbehandelt nicht trinkbares Grundwasser zu filtern. Dank der Unterstützung durch das Deutsche Generalkonsulat und durch weitere Spender konnten wir eine eigenen neuen Wasseraufbereitungsanlage erwerben, die uns jetzt (so lange das Grundwasser nicht versiegt) unbegrenzt und kostenlos (Strom und Wartungskosten einmal ausgenommen) mit frischem Wasser versorgt. Leider muss man aber dennoch eine Gebühr für Abwasser bezahlen, die etwa 50 Prozent der Wasserrechnung ausmacht.“
Südafrika: Menschen stöhnen unter Wassernot