Trauer um Heinke Schimanowski-Thomsen

Heinke Schimanowski-Thomsen (†)

Matema war für sie der schönste Ort der Welt

Am 21. Juni 2026 ist Heinke Schimanowski-Thomsen nach langer Krankheit verstorben. Sie wurde dreimal vom Berliner Missionswerk als ökumenische Mitarbeiterin nach Tansania ausgesendet und war mit Unterbrechungen fast 16 Jahre im Matema-Krankenhaus am nördlichen Ufer des Nyassasees tätig.

Heinke Schimanowski-Thomsen war mit Leib und Seele Ärztin. Und sie war eine Autorität; zugewandt, freundlich, besonnen und voller Hoffnung. Sie konnte aber auch sehr bestimmt und resolut werden, wenn etwas zulasten der Patient:innen oder des Krankenhauses ging. Heinke Schimanowski-Thomsen hat nie viel Aufhebens um ihre Erkrankung gemacht und ihr Lebenswerk im Matema-Krankenhaus auch nach ihrer Pensionierung vor über acht Jahren unbeirrt weiter begleitet. Viele im Berliner Missionswerk haben sie persönlich erlebt und geschätzt. Ihr Tod macht uns traurig. Wir werden sie als Ärztin, Weggefährtin und leidenschaftliche Fürsprecherin des Matema-Krankenhauses in dankbarer Erinnerung behalten.

Ursprünglich hatte sie mit ihren Kindern ihren Mann Friedhelm 1979 bei seiner Ausreise begleitet, als »mitausreisende Ehefrau «, wie das seinerzeit noch hieß. Ihr Mann arbeitete damals als theologischer Lehrer an der Bibelschule in Kidugala. Als ausgebildete Anästhesie- und Intensivkrankenschwester erlebte Heinke Schimanowski-Thomsen schnell, dass sie im nahegelegenen Ilembula-Hospital gebraucht wurde. Nach wenigen Jahren entschied sie sich, in Deutschland Medizin zu studieren. Mit außergewöhnlicher Energie verfolgte sie das Ziel, als Ärztin nach Tansania zurückzukehren, und übernahm neun Jahre später die Leitung des Krankenhauses in Matema in der Konde-Diözese unserer lutherischen Partnerkirche. Nur eine Gartentür trennte sie von »ihrem Hospital«, so hat es einmal ihr Mann beschrieben. Und sie selbst sagte, für sie sei Matema »der schönste Ort auf der Welt«.

Ihr leidenschaftliches Engagement beinhaltete weit mehr, als eine gute Ärztin zu sein. Ständig ging es ihr darum, nicht nur ihre Patient:innen, sondern auch das Krankenhaus lebensfähig zu halten. Typisch für ihre Sorge um Matema und für ihre niemals nachlassende Fähigkeit, andere mit ihrer Begeisterung dafür anzustecken, ist beispielsweise einer ihrer »Weihnachtsbriefe«: »Liebe Matema Freunde, so ein verrücktes Jahr!«, schrieb sie 2009. »Auf und Ab zwischen großer Freude und Verzweiflung: Es begann mit der großen Containerladung mit Wäsche und dem guten Ultraschallgerät, mit der Odyssee der Schallköpfe und der guten Zusammenarbeit mit den Katholiken. Dann kam die herbe Enttäuschung, dass die Vereinbarung mit dem Staat nicht in Kraft treten konnte und auch die Versicherung nicht. Damit saßen wir erst einmal ‚auf dem Finanzschlauch‘ und wussten nicht, wie wir das Hospital wirtschaftlich über die Runden kriegen sollten«.

Dr. Werner Kronenberg, der für die lutherischen Krankenhäuser im Süden Tansanias arbeitet, fasst ihren Lebensweg zusammen: »Heinke Schimanowski war eine außergewöhnliche Ärztin. Sie verband hohe fachliche Kompetenz mit einer großen menschlichen Wärme. Besonders beeindruckend war ihre Geduld und ihre unermüdliche Ausdauer«, so Dr. Kronenberg. »Sie konnte lange und schwierige Wege gehen, ohne den Mut zu verlieren. Sie wusste, dass nachhaltige medizinische Entwicklung Zeit braucht und dass es nicht genügt, Menschen kurzfristig zu helfen. Ihr Anliegen war es, Wissen weiterzugeben, Mitarbeitende zu fördern und Strukturen zu schaffen, die auch dann Bestand haben, wenn die ausländischen Helfer längst wieder gegangen sind.«

Auch Dr. Yohana Mwanda, der jetzige Chefarzt, hat ihre Arbeit gewürdigt: »Heinke engagierte sich mit großem Einsatz sowohl als Ärztin als auch in leitender Funktion für das Matema Lutheran Hospital. Sie hat so viel für die Gemeinde Matema geleistet, insbesondere durch die Förderung der Krebsaufklärung und den Aufbau von Vorsorge- und Diagnosediensten für Gebärmutterhals- und Brustkrebs. Während ihrer Zeit hier in Matema hat sie den heutigen Operationssaal eingerichtet. « Heinke Schimanowski-Thomsen hat uns im Berliner Missionswerk deutlich gemacht, was die Mission Gottes bedeutet: das unermüdliche, hartnäckige und heilende Eintreten für die Menschen dieser Welt. An einem ganz konkreten Ort, an den Gott uns sorgsam hingestellt hat.

Dr. Martin Frank, Afrika-Referent des Berliner Missionswerkes