Vor den Wahlen: Kirche gegen Polarisierung

Die neue WeltBlick!

Menschenwürde als klare Grenze

Die neue WeltBlick des Berliner Missionswerks widmet sich dem Verhältnis von Religion und Populismus. Angesichts der Wahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag geht das Magazin der Frage nach, welche Verantwortung Kirche in einer polarisierten Gesellschaft übernimmt – und was Glaube dem Denken in Freund und Feind entgegensetzen kann.

Populismus verspricht einfache Antworten auf eine komplexe Welt: „das Volk“ gegen „die Elite“, „wir“ gegen „die anderen“. Er arbeitet mit Abgrenzung, emotionalisiert und lebt davon, Vertrauen zu zerstören. Doch welche Rolle spielen Religionen in diesem Spannungsfeld? Können sie selbst zur Sprache der Ausgrenzung werden? Oder können sie Räume für Dialog, Vertrauen und Verständigung eröffnen? Diesen Fragen widmet sich die neue Ausgabe des WeltBlick mit dem Schwerpunkt „Kirche und Populismus“.

Im Zentrum steht ein einfacher, aber anspruchsvoller theologischer Gedanke: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Daraus folgt, Menschen nicht auf ihre Herkunft, ihre politische Meinung oder ihre Parteizugehörigkeit zu reduzieren. Menschenwürde, Selbstkritik und Dialog sind dabei keine Zeichen von Schwäche, sondern eine klare Antwort auf Politik der Ausgrenzung.

Direktor Dr. Ulrich Schöntube fragt in seinem Beitrag, wie Kirche in Zeiten des Populismus öffentlich präsent sein kann: widersprechend, wo Menschenwürde verletzt wird, und dialogisch, wo Vertrauen entstehen kann. Die Sommer-Akademie des Berliner Missionswerks im Juni hat diese Fragen aus unterschiedlichen internationalen und religiösen Perspektiven diskutiert. Stimmen aus 15 Partnerkirchen und verschiedenen religiösen Traditionen kamen dabei zusammen.

Gerade mit Blick auf die Wahl in Sachsen-Anhalt wird die Frage konkret. Bei einer Exkursion nach Dessau ging es um den Umgang mit rechtspopulistischen Positionen und der AfD. Dabei wurde ein Spannungsfeld deutlich: Einerseits braucht es die Bereitschaft zum Dialog, andererseits ist die Menschenwürde eine Grenze, die nicht überschritten werden darf.

Auch Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer nimmt in seiner Meditation die bevorstehende Wahl und die Situation in Sachsen-Anhalt in den Blick. Ausgehend von der Geschichte des Propheten Jona fragt er nach dem Auftrag der Kirche: für Schwache, Verstummte und Mutlose da zu sein, für das Evangelium einzustehen und die Stimme zu erheben, wenn das gesellschaftliche Miteinander und die Werte des Evangeliums in Gefahr sind. Seine Antwort endet bei der Barmherzigkeit. Sie sei keine bloße Stimmung, sondern eine Haltung, die eingeübt werden müsse und die eine Gesellschaft verändern könne.

Die Meditation „Wal-Kampf der besonderen Art“ von Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer können Sie hier lesen.

Im Gespräch mit Pastorin Jes Kast aus Pennsylvania geht es um die Erfahrungen mit religiösem und politischem Populismus in den USA. Ihr Plädoyer: Kirche muss sich von Liebe leiten lassen, auch angesichts von Angst und Hass. Sie müsse mutig in den Dialog gehen, auch mit Menschen, deren politische Überzeugungen sie nicht teilt.

Auch die muslimische Theologin und Publizistin Iman Andrea Reimann betont die Bedeutung des echten Gesprächs. Gerade in einer polarisierten Gesellschaft gehe es darum, Haltung zu zeigen, ohne die Beziehung zum Gegenüber aufzugeben. Christliche und muslimische Gemeinschaften verbinde die Verantwortung, der Entmenschlichung des „Anderen“ entgegenzutreten.

Der Schwerpunkt „Kirche und Populismus“ ist eingebettet in weitere Beiträge aus der internationalen Arbeit des Berliner Missionswerks: über die aktuelle Krise in Kuba und die Solidarität der dortigen Kirchen, über Talitha Kumi in Beit Jala, das Freiwilligenprogramm sowie die Aufarbeitung kolonialer Sammlungsgeschichte.

Die neue WeltBlick 2/2026 „Religion und Populismus“ steht vollständig zum Download bereit

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