Was Kirche verbindet, wenn Gesellschaften sich spalten

Die deutschen Teilnehmer:innen: 11 mal EKBO, 2 mal EKiR.

Was Kirche verbindet, wenn Gesellschaften sich spalten

Von Berlin nach Pennsylvania: Der internationale Austausch über Glauben, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt geht weiter. Barbara Hustedt vom Berliner Missionswerk begegnet beim deutsch-amerikanischen Kolloquium erneut Julie Holm und Jes Kast, die im Juni Gäste der Sommer-Akademie waren.

Kirche lebt vom Gespräch, gerade dort, wo Gesellschaften auseinanderdriften. Beim German American Colloquy am Juniata College in Pennsylvania treffen derzeit Vertreterinnen und Vertreter der Keystone Conference der United Church of Christ (UCC), der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Evangelischen Kirche im Rheinland zusammen. Aus der EKBO unter anderem mit dabei Superintendent Frank Schürer-Behrmann, Vorsitzender des UCC-Beirats im Berliner Missionswerk und Vikarin Carlotta Wegener, ehemalige Freiwillige und heute Mitglied des Missionsrates.

Das Berliner Missionswerk vertritt Barbara Hustedt, Ökumene-Referentin und stellvertretende Direktorin. Für sie ist die Begegnung auch ein Wiedersehen mit zwei vertrauten Stimmen aus den USA: Die Pfarrerinnen Julie Holm und Jes Kast aus der UCC waren erst vor wenigen Wochen Gäste der Sommer-Akademie des Berliner Missionswerks. Dort diskutierten sie über die Herausforderungen einer polarisierten Gesellschaft und die Rolle von Kirche in Zeiten politischer Spannungen.

Nun wird der Austausch in Pennsylvania fortgesetzt. Der Titel der ersten Keynote bringt es auf den Punkt: „Ministry in a House Divided“. Es geht es um die Frage, wie Gemeinden in einer gespaltenen Gesellschaft Orientierung geben können. Referentinnen und Referenten beschäftigen sich mit christlichem Nationalismus, emotionaler Polarisierung und der Frage, wie kirchliche Verkündigung in einer konfliktreichen Zeit Brücken bauen kann.

Dabei bleibt es nicht bei Vorträgen und Diskussionen. Das Programm führt die Teilnehmenden mitten hinein in das kirchliche Leben Pennsylvanias: zu kleinen ländlichen Gemeinden in Penns Valley, zu einem Gemeinschaftsgartenprojekt und in die Arbeit von Ortsgemeinden, die versuchen, soziale Verantwortung ganz praktisch zu leben. Ein besonderer Programmpunkt ist die „Kayak Church“ mit Jes Kast, eine ungewöhnliche Form von Gemeinschaft und Gottesdienst unter freiem Himmel.

Für Julie Holm und Jes Kast ist der Austausch keine theoretische Übung. Sie kennen die Spannungen einer Gesellschaft, in der politische Gegensätze längst auch Familien, Nachbarschaften und Gemeinden erreichen. Holm begleitet Gemeinden in Pennsylvania, die das gesamte politische Spektrum ihrer Region widerspiegeln. Kast arbeitet in seiner Gemeinde daran, Räume zu schaffen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Überzeugungen miteinander im Gespräch bleiben können.

Genau darin liegt die Stärke solcher Begegnungen: Sie suchen keine schnellen Antworten auf tiefe gesellschaftliche Gräben. Sie fragen vielmehr, wie Vertrauen wachsen kann. Zwischen Menschen, Kirchen und über den Atlantik hinweg.


Danke, dass Sie sich Zeit für diese Meldung genommen haben. Wenn Sie mehr aus dem Berliner Missionswerk lesen möchten, freuen wir uns über Ihre Anmeldung zu unserem Newsletter.