Wolga-Gemeinden: Not spitzt sich zu

„Alle Dorfbewohner sind auf die einzige Quelle angewiesen, die sauberes Wasser bietet“, so Propst Stulberg. (Foto: Ev.-Luth. Kirche im Europäischen Russland/Wolgagemeinden)

Aus Angst vor Corona meiden viele Menschen an der Wolga die Krankenhäuser, so Oleg Stulberg. Denn in Wolgograd seien mehrere Ärzte, einschließlich des Chefarztes, an Corona gestorben. Andererseits seien viele Menschen im Alltag nachlässig: „Sie tragen keine Masken, obwohl dies an öffentlichen Orten Pflicht ist und Geldstrafen verhängt werden.“

Die russischen Behörden hatten gehofft, dass die sommerliche Hitze von 40 Grad den Kampf gegen das Virus erleichtern würde, aber diese Hoffnung habe sich als trügerisch erwiesen. Stulberg: „Viele Menschen glauben, dass sowohl die Abstimmung über die neue Verfassung als auch die Siegesparade am 9. Mai eine bedeutende Rolle bei der Zunahme der Corona-Fallzahlen gespielt haben.“ Stulberg berichtet von wirtschaftlichen Nöten im Land: Aktuell haben in Russland mehr als 3,5 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. „Die Behörden tun wenig, um diese Menschen und ihre Familien zu unterstützen.“

In den Gemeinden der Partnerkirche an der Wolga haben die Gottesdienste wieder begonnen. Bisher ohne Sakramente und unter Wahrung der geforderten Maßnahmen wie Mund-Nasenschutz, Desinfektion, Temperaturmessung und Abstandswahrung. „All diese Anforderungen belasten die Gemeinden, denn sie bedeuten zusätzlichen finanziellen Aufwand“, betont Propst Stulberg. Aber sie seien dringend geboten: In der baptistischen Nachbargemeinde Wolschski erkrankten nach dem Abendmahl viele Gläubige und ihre Familien an Corona.

In Lebjasche, einer der Wolga-Gemeinden, kommt ein weiteres schwieriges Problem hinzu: die Qualität des Trinkwassers im Ort. Sowohl das Leitungswasser als auch das Brunnenwasser enthalten eine große Menge Eisen und sind rötlich verfärbt. Es werde dringend empfohlen, das Wasser nicht zu trinken. „Alle Dorfbewohner sind deshalb auf einzige Quelle im Dorf angewiesen, die sauberes Wasser bietet“, so Propst Stulberg.

Abschließend betont der Propst in seinem Schreiben nach Berlin: „Herzlichen Dank für den Beistand und für jedes Gebet in dieser schwierigen Zeit! Unsere Gemeinden sind weiterhin auf Ihre Hilfe dringend angewiesen!“

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