JV-Jahresfest: Zwischen Bedrängnis und Zuversicht

Eröffnen das Jahresfest: Sybille Möller Fiedler, Dr. Christian Stäblein, Dr. Ulrich Schöntube.

Zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Am 15. Februar, traditionell am Sonntag Estomihi, trafen sich Mitglieder und Gäste zum 173. Jahresfest des Jerusalemsvereins (JV). Unter dem Motto „Zwischen Verzweiflung und Hoffnung – Zur Situation der palästinensischen Christinnen und Christen“ bot der Tagungssaal einen umfassenden Einblick in die Realität, aber auch in die Kraft von Bildung und Engagement in Palästina. Zum Empfang hatte das Berliner Missionswerk eingeladen.

Bischof Dr. Christian Stäblein, Direktor Dr. Ulrich Schöntube und Sybille Möller-Fiedler, stellvertretende Vorsitzende des JV-Vorstandes, eröffneten die Feier mit Grußworten. Stäblein dankte für jede Begegnung, Schöntube hob den Austausch mit den Vertrauensleuten des Vereins hervor. JV-Vorsitzender Wolfgang Schmidt machte deutlich, dass Palästina zwar zunehmend in der öffentlichen Wahrnehmung stehe, die Lage der Christen dort jedoch oft übersehen werde.

Die anschließenden Vorträge schärften diesen Blick: Marc Frings, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ehemaliger Leiter des Bütos der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, zeigte, dass Migrationserfahrungen palästinensischer Christen schon seit der osmanischen Zeit Teil ihres Alltags waren und weltweite Netzwerke entstehen ließen. Trotz ihrer kleinen Minderheitenrolle sind Christen durch Schulen und Diakonie präsent; rund 9.000 Menschen arbeiten in christlichen Organisationen. Deutschlands und der Kirchen Rolle liege darin, die Resilienz der verbliebenen Christen zu stärken, „wozu auch der Jerusalemsverein beiträgt“, wie Frings betonte.

Ein besonders eindrucksvoller Beitrag kam von Daoud Nassar vom Tent of Nations. Er schilderte die täglichen Herausforderungen seiner Familie bei der Bewirtschaftung ihres Landes im Westjordanland. Ohne fließendes Wasser oder Strom sichern Zisternen und Solarenergie das Überleben. „Gewaltfreiheit hat auch etwas mit Kreativität zu tun“, betonte Nassar. Trotz Bedrängnis bleibt das Motto der Familie klar: „Wir weigern uns, zu hassen.“ Seit Jahrzehnten kämpft die Familie vor israelischen Gerichten um ihre Rechte; der nächste Termin ist am 18. März. „Beten Sie für uns“, bat Nassar die Zuhörer.

Auch die Talitha Kumi Schule war digital zugeschaltet. Schulleiter Birger Reese und stellvertretende Schulleiterin Laura Bishara berichteten von einer neuen Kindergartenklasse mit 25 zusätzlichen Plätzen ab dem kommenden Jahr. Demokratie, Frieden und Exzellenz bleiben im Fokus der Schule, die im Dezember von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen erneut als „Exzellent“ ausgezeichnet wurde. Reese dankte dem Jerusalemsverein für die Unterstützung und lud zum großen Jubiläumsfest am 26. September anlässlich von 175 Jahren Talitha Kumi ein.

Bischof Haddad schloss die Veranstaltung im Gespräch mit Schmidt, übersetzt von Matthias Wolf, mit eindrücklichen Worten: „Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich, dass der Tag Verluste bringen wird, Demütigungen, aber ich will ihn trotzdem in seiner ganzen Fülle leben.“ Hoffnung zeige sich für ihn in den Schüler:innen, die trotz ungewisser Zukunft lernen. Hoffnung dürfe kein Slogan werden, sie verlange Standhaftigkeit – dort, wo es wehtue. „Wir wollen kein Mitleid, sondern echte Partnerschaft.“

Das 173. Jahresfest des Jerusalemsvereins machte deutlich: Trotz aller Herausforderungen in Palästina schenken Bildung, Engagement und verlässliche Partnerschaften Hoffnung und Perspektive.